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EM 2016: Heute entscheidet die UEFA

Frankreich gilt als Favorit, auch der Deutsche Fußball-Bund will für die »Grande Nation« stimmen

  • Von Wolfgang Müller, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit Wochen fiebert die Welt der WM in Südafrika entgegen, doch für einen Tag blickt Europa erwartungsvoll in die Schweiz. Am Freitag wird die Europäische Fußball-Union den Gastgeber der EM 2016 küren und diese Entscheidung um 13 Uhr im Espace Hippomène in Genf feierlich verkünden. Im Dreikampf zwischen Frankreich, Italien und der Türkei sind die Franzosen favorisiert – und dürfen die deutsche Stimme auch schon einkalkulieren.

Immerhin schuldet der Deutsche Fußball-Bund seinem Nachbarn noch einen kleinen Gefallen, weil dieser auf die Frauen-WM 2011 verzichtet hatte. »Wir haben immer klar gesagt, dass vor allem Fairness dazu gehört, wenn der DFB solche Entscheidungen zu treffen hat«, sagte DFB-Chef Theo Zwanziger.

Zwanziger darf als eines von 13 Mitgliedern des Exekutivkomitees über den Gastgeber der Kontinentalkämpfe in sechs Jahren abstimmen. Um 9.30 Uhr haben die drei Kandidaten jeweils 30 Minuten Zeit für eine abschließende Präsentation im Plenum, anschließend berät Europas Fußball-Regierung hinter verschlossenen Türen – ehe UEFA-Präsident Michel Platini den berühmten Umschlag öffnet und in dem modernen Event- und Kulturzentrum von Genf das Votum veröffentlicht.

»Das wird eine ganz ganz schwierige Entscheidung«, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. »Wir haben drei erstklassige Bewerbungen. Das Turnier könnte in allen drei Ländern zweifellos ausgetragen werden.« Tags zuvor hatte er sich am Sitz der UEFA in Nyon mit seinen Kollegen der »Kommission für Nationalmannschaftswettbewerbe« getroffen, um die technischen Empfehlungen an das Exekutivkomitee abzuschließen.

Die Franzosen gelten zwar nach dem jüngsten Evaluierungsbericht der UEFA als Top-Kandidat, doch das war Italien bei der letzten Abstimmung auch. Und die EM 2012 wird bekanntermaßen nicht in Südeuropa, sondern in Polen und der Ukraine gespielt.

Die Italiener, die nach der Vergabe der EM 2012 Komplott und Betrug witterten, hoffen auf eine Art Wiedergutmachung. »Noch mal werden sie uns nicht so demütigen«, heißt es in Rom. Das Land des Weltmeisters braucht das Turnier auch, um endlich seine antiquierten Stadien aufzupeppen.

Und der große Außenseiter Türkei? Beweist mit der dritten Bewerbung nacheinander bemerkenswerte Ausdauer und setzt vor allem auf die Fußballbegeisterung der anatolischen Fans. »Wir repräsentieren das neue Europa«, sagt Verbands-Chef Mahmut Özgener.

Auch Zwanziger macht Mut. »Die türkische Delegation hat uns ihre Bewerbung so emotional präsentiert, da kamen einem fast die Tränen. In diesem Moment hattest du das Gefühl, du kannst eigentlich nur für die Türkei stimmen«, sagte er. »Wenn man davon ausgeht, dass alle Bewerbungen inhaltlich auf einem Niveau sind, wird die Leidenschaft der Präsentation bei der Entscheidung sicherlich eine Rolle spielen.«


Frankreich – Favorit. Hatte bereits zwei EM (1960, 1984) und zwei WM (1938, 1998). Die meisten Arenen sind fertig. Finale im Stade de France in Paris. Mit 1,7 Milliarden Euro sind die mit Abstand höchsten Investitionen geplant.

Italien – Bereits 1968 und 1980 EM-Ausrichter. 2012 überraschend Polen/Ukraine unterlegen. 775 Millionen Euro für Stadienbau und Renovierung, 640 Millionen davon von der Regierung Berlusconi. Finale im Olympiastadion Rom.

Türkei – Zuvor zweimal erfolglos beworben. Außenseiter. Eröffnungsspiel und Endrunde im Atatürk-Olympiastadion auf der europäischen Seite Istanbuls. Regierung stellt für Neubauten und Sanierung der Stadien 920 Millionen Euro.

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