Werbung

Die Toleranz fährt Straßenbahn

Von Studenten gestaltete Wagen der Tram-Linie 63 werben für Toleranz in Schöneweide

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Beim Demokratiefest vorgestellt
Beim Demokratiefest vorgestellt

Parteien, Sportvereine und Umweltgruppen haben am Sonnabend zu einem Demokratiefest an den S-Bahnhof Schöneweide geladen. Gregor Gysi, Linksfraktionschef im Bundestag, Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) und einige hundert Gäste sind gekommen. Auf zwei Bühnen spielen Jugendbands und Weltmusiker. Kinder können sich ihre Gesichter bemalen lassen und auf einer Hüpfburg tollen.

Anlass des Festes: Eine Straßenbahn der Linie 63 wird um 13.04 Uhr von der Bezirksbürgermeisterin auf ihre Jungfernfahrt geschickt. Das wäre nichts besonderes, wenn es sich nicht um eine besondere Straßenbahn handeln würde. Die von Kommunikationsdesign-Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft gestaltete Straßenbahn wirbt für Toleranz. »Du bist anders als ich. Ich respektiere dich. Ich bin anders als du. Respektiere mich«, steht darauf. Und daneben sind Gesichter von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu sehen.

»Wir wollen ohne Angst unterschiedlich sein können und einander ins Gesicht sehen«, sagte Gabriele Schöttler. »Wer andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Aussehens ausgrenzt, der stößt auf unseren Widerstand.«

Die Linie 63 haben die Initiatoren um die Studenten, das Kiezbüro Schöneweide und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus nicht zufällig gewählt: Sie fährt durch den Ortsteil Schöneweide, einem Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Berlin. Dort hält die Bahn direkt vor der Kneipe »Zum Henker«, einem Treffpunkt von Nazis. In Köpenick kreuzt die Straßenbahn die Seelenbinderstraße, rund 300 Meter von der NPD-Parteizentrale entfernt. Die Reaktionen auf die Straßenbahn waren unterschiedlich. Die 24-jährige Anja Müller, die in der Nähe von Schöneweide wohnt, findet es gut, dass Menschen anderer Herkunft auf der Tram ein Gesicht bekommen. »Mein Freund ist Palästinenser. In Schöneweide hat er Angst, abends auf die Straße zu gehen«, sagt die Studentin.

Ein 50-jähriger Festteilnehmer meint: »Die Gestaltung hätte ruhig noch greller sein und den Nazis deutlicher sagen können, dass wir sie nicht wollen.« Ein kleiner Junge will wissen, was Nazis sind. »Das sind böse Menschen, die andere hauen«, erklärt die Mutter dem Sechsjährigen. Und wird prompt von einem Passanten zurechtgewiesen. »Sie hetzen das Kind doch auf«, kritisiert der.

Bei dem schönen Wetter haben vor allem die Kinder Spaß. Ein Mädchen, das sich ein Katzengesicht hat malen lassen, darf das Glücksrad drehen. Luftballons und Windräder mit Parteienwerbung sorgen für Spaß genau wie Theo Tintenklecks oder die Basketballtrainer der Hochschule für Technik und Wirtschaft, bei denen man probieren kann, ob man den Korb trifft.

Nur zwischen 15 und 16 Uhr wird es unruhig: Rechte, die zahlreich in Schöneweide wohnen, darunter ehemalige Akteure des inzwischen verbotenen Frontbann 24, sind von einem gescheiterten Demonstrationsversuch in Bernau zurückgekehrt. Sie werden von der Polizei an den friedlichen Festteilnehmern weit vorbeigeleitet.

Hans Erxleben vom Bündnis für Demokratie und Toleranz sagt: »Uns war klar, dass die frustrierten Rechtsextremen nach dem Bürgerwiderstand in Bernau in keiner guten Stimmung waren und mit Fahnenstangen ausgerüstet den provokativen Durchgang durch das Fest auf ihrem Weg zum Henker erzwingen wollten. Der Polizei ist es gelungen, das zu verhindern, so dass das Fest ungefährdet blieb.« Polizeisprecher Guido Busch bestätigt, dass Zwischenfälle ausgeblieben sind.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen