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Zeichen der Solidarität mit Ungarns Roma

Tatárszentgyörgy wieder im Blickpunkt

  • Von Rainer Brandt, Budapest
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Völkisches Denken, antisemitische Mobilisierung und drohende Gewalt« – so beschrieb die Wissenschaftlerin Magdalena Marsovszky vor knapp einem Jahr ihr Land, Ungarn. Damals zeichnete sich bestenfalls ab, was die Wahlen im April 2010 belegen sollten: Über die Hälfte der wählenden Bürgerinnen und Bürger stimmte rechtskonservativ, mehr als jeder Sechste votierte neofaschistisch.

Die »drohende Gewalt« hat einen Namen, Gesichter und Uniformen: »Magyar Gárda«. Die SA-ähnlichen Truppen marschieren auf, im Herzen von Budapest und in den Weiten des Landes, für »Groß-Ungarn« und gegen »Zigeunerpack«. So bereits 2007 in Tatárszentgyörgy, einem kleinen Dorf, das 2009 europaweit in die Schlagzeilen geriet. »Es war eine regelrechte Hinrichtung«, hieß es nach dem 23. Februar. Die Opfer: Róbert Csorba (28) und sein Sohn Robi (5). Beide wurden hinterrücks erschossen, als sie aus ihrem Haus flüchteten, das zuvor angezündet worden war und lichterloh brannte. Sie waren Roma. Zwei von elf Roma, die in Ungarn binnen Jahresfrist ermordet wurden, nur weil sie Roma waren. Das ist die offiziell zugegebene Todeszahl.

Vergangenen Sonnabend bekam Tatárszentgyörgy wieder Öffentlichkeit – und zwar bevor am Abend das Fußball-Länderspiel Ungarn gegen Deutschland in Budapest über den Rasen lief. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, die deutsche Botschafterin in Ungarn, Dorothee Janetzke-Wenzel, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, der Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes, Hermann Korfmacher, Peter Runck vom Bauorden Deutschland – genug der protokollarischen Aufzählung.

»Ich will ein Zeichen an die ungarische Regierung, aber auch in die ungarische Gesellschaft setzen, dass wir solche Verbrechen nach den Erfahrungen des 3. Reiches nirgendwo mehr dulden«, fasste Romani Rose das Anliegen aller zusammen. Und Botschafterin Janetzke-Wenzel wiederholte die alle bewegende Frage: »Was sind das für Menschen, die auf Kinder schießen?«

Der »Internationale Bauorden« koordiniert derzeit Jugendliche aus Bulgarien, Deutschland und Polen, die das abgebrannte Haus der Familie Csorba in Tatárszentgyörgy wieder aufbauen. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hatte die Helfer deshalb als Ehrengäste zum abendlichen Fußballspiel eingeladen.

Ein Moment der Freude breitet sich in der Zweitausend-Seelen-Gemeinde aus. Zumal der DFB mit einer weiteren Geste der Solidarität aufwartete. Die zwei Nachwuchsmannschaften von Tatárszentgyörgy wurden komplett wie eine Nationalmannschaft ausgerüstet, mit Trikots, Stutzen, Bällen.... Strahlende Kinderaugen, aber der Eindruck trügt. Erst am Vortag war im Nachbardorf ein weiterer Jugendlicher krankenhausreif geprügelt worden, wieder ein Roma-Junge.

Ungarischer Größenwahn und rassistischer Ungeist grassieren weiter. »Die zivilen Widerstände hierzulande drohen zu erlahmen. Jede Ermutigung von außen ist für uns lebenswichtig.« Das ist ein Satz aus einer aktuellen E-Mail an Petra Pau, ein Hilferuf aus Ungarn.

Parlament wählte Orban zum Ministerpräsidenten

Budapest (dpa/ND). Das ungarische Parlament hat am Sonnabend zum zweiten Mal den rechtskonservativen Politiker Viktor Orban zum Ministerpräsidenten gewählt. Der 47-Jährige erhielt 261 Stimmen seines Bundes Junger Demokraten (FIDESZ). Die 107 Abgeordneten der Opposition votierten gegen ihn. In der Debatte über sein Regierungsprogramm kündigte er die Ausarbeitung einer neuen Verfassung an. Er wolle »kein östliches und kein westliches Ungarn, sondern eines, das sich um seine eigene Achse dreht«. Am Nachmittag jubelten ihm tausende FIDESZ-Anhänger vor dem Parlament zu. Mit Orban wurde auch das aus nur acht Ressortchefs bestehende Kabinett bestätigt.

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