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Unterschriften für würdige KZ-Gedenkorte

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Innerhalb eine Monats haben zirka 2000 Bürger die »erste antifaschistische Volksinitiative in Brandenburg« unterschrieben. »Die große Resonanz hat uns selbst überrascht«, erklärte jetzt der Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Gesammelt werde seit dem 1. Mai. Gezählt werden zwar formal nur in Brandenburg gemeldete Personen. Die Sammlung wendet sich jedoch auch an »antifaschistisch gesinnte Menschen«, die außerhalb leben. »20 000 gültige Unterschriften werden gebraucht«, erklärte Vorstandsmitglied Marcus Pilarski.

»Mit der Volksinitiative sollen konkrete Schritte zur Schaffung würdiger Gedenk- und Erinnerungsorte eingefordert werden«, hieß es. Außerdem sollen Orte der Erinnerung an die in der Nazizeit verfolgten und ermordeten Menschen »künftig bevorzugt bei der Vergabe von Fördermitteln und der Beräumung von Fundmunition berücksichtigt werden«. Angestrebt ist weiterhin eine Überarbeitung des umstrittenen Konzepts »Geschichte vor Ort: Erinnerungskultur im Land Brandenburg«. Das Papier entstand noch in der Verantwortung von Kulturministerin Johanna Wanka (CDU), die ihren Posten im November 2009 mit dem Start der rot-roten Koalition verlor.

Erklärtes Ziel des VVN-BdA ist es, mit der Volksinitiative drei faschistische Lager stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Es handelt sich um die KZ-Außenlager Klinkerwerk und Lieberose sowie um das Mädchenlager Uckermark, das sich in der Nähe von Fürstenberg/Havel befindet.

Im Oranienburger Klinkerwerk wollte die SS Ziegelsteine herstellen, die nach Berlin geliefert und dort für den größenwahnsinnigen Plan eines Umbaus zur Welthauptstadt Germania verwendet werden sollten. Allerdings gelang es nicht, die gewünschte Qualität zu erreichen. Im berüchtigten Klinkerwerk wurden die KZ-Häftlinge besonders brutal angetrieben. Tausende Menschen gingen dort zugrunde. Das Klinkerwerk stehe wie kein anderer Ort im Land Brandenburg für das Programm Vernichtung durch Arbeit, so der VVN-BdA.

In Lieberose mussten Häftlinge ab November 1943 Anlagen für einen Truppenübungsplatz der Waffen-SS errichten. Wegen der unmenschlichen Bedingungen fanden Tausende den Tod. Am 2. Februar 1945 erschossen SS-Männer 753 jüdische Häftlinge. Nach dem Massengrab wird noch immer gesucht. Am Montag begann eine erneute Suchgrabung auf einem Grundstück in Jamlitz.

Im Lager Uckermark hielten die Nazis zunächst angeblich asoziale Mädchen gefangen. Kurz vor der Befreiung diente das Gelände als Vernichtungslager. Hier wurden zirka 5000 Frauen aus dem nahen KZ Ravensbrück ermordet.

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