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Gipfel des weißen Blues

Eric Clapton und Steve Winwood gaben umjubeltes Konzert in der O2-Halle

  • Von Thomas Grossman
  • Lesedauer: 3 Min.

»Guten Abend«, sagte Eric Clapton und dann ging die Post ab. Clapton und Steve Winwood – beide an der elektrischen Gitarre – wurden begleitet von Drummer, Bassist, Keyboarder und zwei Background-Sängerinnen. Clapton erschien mit Brille, Drei-Tage-Bart und langem Haar, Winwood mit strahlend blütenweißem Hemd. Clapton, so Kritiker, spielt stets mit einem zweiten Melodiegitarristen am besten, denn das bewahrt ihn davor (an der Gitarre) »faul« zu sein. Doch manchmal wechselte Winwood beim Konzert am Mittwochabend auch ans Piano oder Keyboard – schließlich gilt er als einer der Besten an der Hammond-Orgel überhaupt. Auch sang er die meisten Songs – mit seiner herrlich souligen, an Ray Charles geschulten Stimme.

Gitarrengott Clapton (65) war Mitglied von Supergruppen wie The Yardbirds, John Mayall’s Bluesbreakers oder Cream sowie erfolgreicher Solomusiker; Multiinstrumentalist Winwood (62) galt als »Wunderkind«, war dann musikalischer Kopf der Spencer Davis Group und von Traffic sowie gefeierter Solist.

Das erste Konzert-Drittel widmeten Clapton und Winwood mit mehreren Songs der gemeinsamen Band »Blind Faith«, einer Fußnote in der Geschichte der Rock-Musik, die vor 41 Jahren nur für einige Monate existierte. Zu ihr gehörten allerdings auch der beste weiße Drummer, Ginger Baker, sowie der prima Bassist Ric Grech. Im Juni 1969 gab die britische »Supergroup« im Londoner Hyde Park vor 100 000 Besuchern ein Free Concert, ging dann auf Tour und machte ein gefeiertes Album. Doch dann löste sie sich plötzlich wieder auf: Winwood war als Bandleader wohl nicht stark genug und Clapton hatte sich in die Tournee-Vorgruppe Delaney & Bonnie verliebt (zu der er dann stieß). 2008 fanden Clapton und Winwood für einige Auftritte wieder zusammen und begannen eine Welttournee, die sie nun durch Deutschland führt.

Im lockeren Wechsel spielten beide dann Hits aus ihrer jeweiligen fast 50-jährigen Musiker-Geschichte. Von Clapton kam das relaxte »After Midnight«, dann der alte Robert-Johnson-Evergreen »Crossroads« oder die überaus tanzbare J.J. Cale-Nummer »Cocaine«. Winwood brachte seinen großen 1980er-Jahre-Song »While You See A Chance«, die soulige Ray Charles-Nummer »Georgia On My Mind« (die besonders viel Applaus erhielt) und den Spencer-Davis-Group-Heuler »Gimme Some Lovin’«, ein grandioser Hit aus den Mittsechzigern.

Einen großen Raum des Konzerts widmeten beide dem Blues. Clapton liebte ihn schon als Teenager, »als dieser«, so schrieb er, »direkt auf mein Nervensystem durchschlug«. In seinem weiteren Leben hat er sich quer durch das Lexikon der Pop-Musik gespielt, aber immer kehrte er zum Blues zurück. »Es ist so, als ob man durch eine moderne Stadt läuft, und da steht plötzlich zwischen all den glatten Hochhäusern ein altes Rathaus aus Feldsteinen«, erklärte er einmal.

Zu vorgerückter Stunde spielten alle gemeinsam einige Songs »unplugged« (ohne Strom). Dann kam »Driftin«, einst von Lightnin’ Hopkins interpretiert, und »Layla«, vielleicht Claptons bester und beliebtester Song überhaupt. Natürlich erinnerte das an Erics legendären Auftritt »MTV Unplugged« 1992 – wohl sein größter Erfolg.

Kurz vor Schluss brachten die Altstars dann eine 15-minütige Version von Jimi Hendrix’ »Voodoo Chile« – stampfend, machtvoll, gewaltig. Zum Ende gab's Standing Ovations und als Zugabe den Traffic-Song »Dear Mr. Fantasy«, zu dem fast alle tanzten.

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