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Diebstahl am Wegesrand

Äpfel, Kirschen, Weinblätter – auch Bienenvölker verschwinden in Rheinland-Pfalz bisweilen über Nacht

  • Von Jasper Rothfels, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Der häufigste Fall des Diebstahls bei Bauern ist der Obst- und Gemüseklau. Manchmal wird auch ein ganzer Weinberg abgeerntet.

Ingelbach/Mainz (dpa/ND). Beim Besuch seiner Bienenstöcke machte der Imker eine unangenehme Entdeckung: Ein Unbekannter hatte ihm ein Bienenvolk gestohlen. Der Diebstahl bei Ingelbach im Westerwald wurde nach Ansicht der Ermittler von einem Fachmann begangen. »Wer klaut schon ein Bienenvolk?«, fragt Jürgen Kugelmeier von der Polizeiinspektion Altenkirchen, der den Schaden auf bis zu 120 Euro beziffert. Wer das tue, habe dafür Bedarf.

Die Tat von Ingelbach steht für Diebstähle, die Bauern und Winzern in der Region zu schaffen machen. Den Imker aus der Verbandsgemeinde Altenkirchen traf es bereits zum zweiten Mal: Er hatte schon vor zwei Jahren zwei Völker an unbekannte Langfinger verloren. »Es kommt schon vor, wir waren auch schon betroffen«, sagt der Biologe Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen in der Osteifel. Das seien aber Einzelfälle, und man könne nicht sagen, dass im großen Stil Bienen gestohlen würden.

Dass Diebstahl durchaus gravierend sein kann, musste jedoch bereits mancher Winzer erfahren. »Wir hatten ja schon Weinberge, die abgeerntet wurden«, berichtet die Sprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Andrea Adams. Und auch Weinblätter, die in manchen südlichen Ländern gefüllt gegessen werden, kamen bereits abhanden. Hightech zieht Diebe ebenfalls an: So verschwanden 2009 von solarbetriebenen Starenschussgeräten in einem rheinhessischen Weinberg die Solarmodule.

»Der normale Mundraub ist vor allem in Ballungsgebieten ein Problem«, sagt Adams. »Da wo mehr Spaziergänger und Jogger sind, kommt das häufiger vor.« Betroffen sind bestimmte Kulturen, etwa der Obstbaum mit reifen Kirschen oder Äpfeln. Im Einzelfall sei das kein Problem, aber wenn das jeder tue, »ist der Baum leer«. Den Spargel suchen Diebe nach Adams Einschätzung seltener heim – »da müssten sie ja buddeln«, sagt sie. Aber ausschließen könne man das nicht, denn es gebe Leute, »die können alles gebrauchen«. Auch landwirtschaftliches Gerät kommt mitunter abhanden, dann müssen die Diebe aber auch schwere Technik auffahren. »Wenn Sie eine Maschine zur Feldbearbeitung klauen wollen, brauchen Sie einen Traktor zum Anhängen«, sagt Adams. Der häufigste Fall sei deshalb der Obst- und Gemüseklau am Wegesrand. Wer dabei erwischt wird, muss unter Umständen mit Anzeige rechnen. Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV/Berlin) – das ist die Dachorganisation der privaten Versicherer – sind derartige Diebstähle nicht das Hauptproblem, sondern die Brände im Agrarbereich. 2008 gab es davon bundesweit 20 000 mit einem Schaden von 174 Millionen Euro. Im gleichen Jahr seien weniger als 1000 einschlägige Diebstähle bei Bauern mit einem Schadensvolumen von »deutlich« unter einer Million Euro registriert worden, berichtet GDV-Pressesprecher Christian Lübke.

Dass ein Landwirt sein Eigentum zurückbekommt, scheint zumindest im Fall der Bienen unwahrscheinlich. »Das Problem ist natürlich, dass wir die Bienen nicht identifizieren können«, sagt Polizist Kugelmeier. Vielleicht gestehe der Täter, wenn er mal in einem anderen Zusammenhang erwischt werde. Der Biologe Otten empfiehlt, die Bienenkästen immer zu markieren – »damit man einen Beweis hat, wenn man sie wiederfindet«.

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