KZ-Gedenken mit der NPD?

Irritationen im Ländle um Einladung eines Neonazi-Aktivisten

  • Von Hans Canjé
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Am kommenden Sonntag werden in der baden-württembergischen Gemeinde Gäufelden-Tailfingen im Landkreis Böblingen eine KZ-Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum der Öffentlichkeit übergeben. Eine inzwischen zurückgenommene offizielle Einladung an den Böblinger Kreisrat Janus Nowak, der auch stellvertretenden Landesvorsitzenden der neofaschistischen NPD ist, hat zu erregten Protesten geführt.

Im letzten Vorkriegsjahr 1938 hatte das faschistische Regime zwischen Gäufelden-Tailfingen und Rottenburg mit dem Bau eines Jagdfliegerplatzes begonnen, der im Herbst 1944 erweitert werden sollte. Für die Instandsetzung und den Ausbau der Rollbahn sowie den Bau neuer Straßen wurden rund 600 jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Stutthof bei Danzig ins Gäu verschleppt. Französische Soldaten entdeckten im Frühjahr 1945 das mittlerweile abgeräumte Lager. Nachforschungen ergaben, dass bei den Arbeiten auf dem Flugplatz und in einem benachbarten Steinbruch 186 Häftlinge an Erschöpfung, Unterernährung und Krankheiten ums Leben gekommen waren. Sie wurden in umliegenden Krematorien eingeäschert oder in einem Massengrab auf dem Flugplatz verscharrt. 200 Häftlinge überlebten im Februar 1945 nach der Räumung des Lagers den Todesmarsch nicht. Das Schicksal der übrigen 200 Häftlinge ist ungeklärt.

Auf Anordnung der französischen Behörden wu...


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