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Gauck? Super! Gauck geht gar nicht!

SPD und Grüne begeistert – LINKE winkt ab

Die Koalition habe mit Wulff nur eine parteipolitische Entscheidung getroffen, beklagt die SPD – und präsentierte gestern vor der Bundespressekonferenz Joachim Gauck als ihren Mann fürs Berliner Schloss Bellevue.
Cool aus dem Norden
Cool aus dem Norden

»Großer Aufklärer«, »unabhängiger Kopf«, »Anwalt der Freiheit«. Wow! SPD und Grüne kamen von ihren Verbeugungen kaum wieder hoch. Die Lobpreisungen werden nur noch getoppt von den Begriffen »Freiheitsdenker, Versöhner, Einheitsstifter und Demokratielehrer«. Doch die, so bekannte SPD-Chef Sigmar Gabriel, stammten von der CDU-Chefin Angela Merkel. Die Kanzlerin hatte Gauck im Januar zum 70. Geburtstag gratuliert.

Auf Gauck ist sie dennoch nicht gekommen. Auch die SPD nicht. Der Name Gauck, so hört man auf Bundestagsfluren, ist den Grünen eingefallen. Und die SPD, der einfach nichts und niemand in den Sinn kommen wollte, griff eiligst zu. Nun feiern Rote wie Grüne gemeinsam ihren »genialen Coup«, mit dem sie den Regierungskandidaten Wulff ins Abseits drängen wollen. Gabriel wie der Grünen-Chef Özdemier hoffen, dass Gauck im liberal-konservativen Lager Stimmen holen kann – mehr als 20 müssten es sein, wenn der Mann aus dem Nordosten ins Schloss Bellevue umziehen soll.

Ist Gauck wirklich der parteiübergreifende, der integrative Mann für das Amt in Krisenzeiten, den fast alle Kommentatoren immer wieder verlangen? In der Tat genießt der frühere DDR-Bürgerrechtler vor allem auf Seiten der Ur-Bundesdeutschen viel Respekt. Erstens, weil er als Pfarrer in Rostock schon zu Zeiten der DDR deren innere Abrüstung gefordert hat. Und zweitens, weil er sich nach der Wende um die Nachsorge der inneren Abrüstung verdient gemacht hat. Mit der ihm übergebenen Unterlagen-Behörde brachte er die »Rest-Stasi« zur Strecke.

Im Osten hört man mehr Bedenken. Die LINKE ist unentschieden, ob sie nach einer Alternative suchen soll, wird das aber wahrscheinlich tun. Denn: Gauck – geht gar nicht!

Dabei glaubten SPD und Grüne, die Linken im Sack zu haben. Als Özdemir gestern einen Zeitungskommentar zitierte, laut dem eigentlich alle Ost-Abgeordneten für Bürger Gauck stimmen müssen, wenn sie nicht die 89er Wende vergessen haben, lächelte der Kandidat. Ob er bei den Machtverhältnissen den Sieg erwartet? Gauck sagt, er könne »zählen«, sei »Realist«, doch er habe »immer wieder erlebt, dass etwas Unerwartetes passieren kann«.

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