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Promis pro Pechstein

DOSB-Präsident Thomas Bach soll sich für neues Verfahren einsetzen

  • Von Oliver Händler
  • Lesedauer: 3 Min.
Eisschnellläuferin Lucille Weber (l.) und Arthur Abraham glauben an Claudia Pechsteins Unschuld.
Eisschnellläuferin Lucille Weber (l.) und Arthur Abraham glauben an Claudia Pechsteins Unschuld.

Und wieder so eine skurrile Pressekonferenz – oder besser Veranstaltung mit Presseeinladung – von Claudia Pechstein, nach der man nicht so genau weiß, was man davon halten soll. Im vergangenen August präsentierte die Berlinerin fehlerhafte Codes, die die Unschuld der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin im Dopingverfahren des Weltverbands ISU gegen sie beweisen sollten. Im März waren dann Mediziner an der Reihe, die Journalisten und Zuschauer überzeugen sollten. Und diesmal ist es eine eindrucksvolle Liste von 100 deutschen Prominenten aus Sport, Politik, Wirtschaft und Unterhaltung, die zwar formal »nur« eine Forderung an den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Dr. Thomas Bach, senden. Eigentlich suggerieren aber auch sie durch ihre Anzahl und ihren gesellschaftlichen Status, dass Claudia Pechstein eine Gute ist, die zu Unrecht verurteilt wurde.

Die Liste ist lang. Die Namen sind unter www.meineunterschrift.com nachzulesen. Dort ist auch der Brief zu finden, den nun jeder Sympathisant unterschreiben kann, wie zuvor etwa Pechsteins Kollegin Daniela Anschütz-Thoms, Gregor Gysi, die Puhdys oder Moderator Dieter Thomas Heck. Er besagt, dass die Urteilsbegründung für Pechsteins Sperre »eindeutig widerlegt« sei, und Bach ein neues Verfahren anstrengen solle, um Pechstein Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

So etwas ist beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gar nicht vorgesehen. »Eine unübersehbare Schwäche des Systems«, so Wolfgang Pfaff, ehemaliger Bundesanwalt und Unterzeichner des Briefs, in dem Bach aufgefordert wird, durch Gespräche mit der ISU, der Welt-Anti-Doping-Agentur und dem CAS trotzdem einen Weg zu finden.

Initiator ist Pechsteins Sponsor, der Unternehmer Matthias Große. Er hätte »in seinem Leben« etwas Ähnliches durchgemacht. Deshalb wolle er nun Claudia Pechstein helfen. Was ihm genau widerfahren ist, wollte Große nicht sagen. Trotzdem bekam er viel Applaus von Zuschauern, die sich unter die wenigen Journalisten gemischt hatten.

Die Motivation, den Brief zu unterschreiben, scheinen viele Prominente, zunächst aus ihrer Sympathie zu Pechstein gezogen zu haben. »Sie hat einen offenen und ehrlichen Charakter«, meinte Ruderin Kathrin Boron. »Ich finde sie sehr sympathisch und halte sie für unschuldig«, sagte Ex-Handballer Stefan Kretzschmar per Videobotschaft. »Wenn man Doping nimmt, macht man danach doch nicht so ein Theater«, fand Boxer Arthur Abraham seine ganz eigene Begründung für die weiße Weste Pechsteins.

»Wir bekommen noch 100 000 Unterschriften zusammen«, ist sich Matthias Große sicher. Ob das Thomas Bach dazu bringt, aktiv zu werden, ist jedoch sehr fraglich. Nationale Alleingänge beim Thema Doping würden seine Aussichten auf die Nachfolge von Jacques Rogge als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees erheblich schmälern. Bach wird vielmehr wie Pechstein auf das Schweizer Bundesgericht zählen. Das kann das Verfahren – juristisch ganz korrekt – an den CAS zurückschicken. Dann müsste Bach auch nicht mehr so viele Briefe lesen.

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