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Sixt bremst Betriebsräte aus

Gewerkschafter üben scharfe Kritik an Autovermietungsunternehmen

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Der Autovermieter Sixt bezeichnet sich als »Deutschlands führenden Mobilitätsdienstleister«. Bei Arbeitnehmerrechten hinkt das Unternehmen jedoch weit hinterher.

Vier Beschäftigte von Sixt, die als Callcenter-Agents in Rostock gearbeitet haben, sind in den letzten Wochen entlassen worden. Sie sehen den Rausschmiss im Zusammenhang mit ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit.

Zunächst wurde Torsten Sting entlassen, der sich in Rostock mehrmals für die Gründung eines Betriebsrates eingesetzt hatte. Neben einer fristgerechten wurde ihm »wegen massiver Pflichtverletzungen« noch eine fristlose Kündigung zugesandt. Zu den Gründen soll auch das Tragen eines T-Shirts mit der Parole »Wir sind keine Zitronen« gehört haben.

Drei weitere Callcenter-Mitarbeiter, die sich nach Stings Entlassung weiter für die Gründung eines Betriebsrats einsetzten, bekamen ebenfalls mittlerweile die Kündigung. Das Unternehmen bestreitet jeden Zusammenhang mit der gewerkschaftlichen Tätigkeit.

Die IG-Metall-Verwaltungsstelle Rostock hatte Sixt schon im März zu Gesprächen über die Gründung eines Betriebsrats aufgefordert. Das Unternehmen erklärte daraufhin, die IG Metall sei nicht zuständig. Doch Kompetenzstreitigkeiten zwischen ver.di und der IG Metall, worauf das Management vielleicht spekuliert, wollen die Gewerkschafter gar nicht erst aufkommen lassen. Deshalb soll sich jetzt der DGB Rostock um das Prozedere der Betriebsratswahl kümmern.

Die Frage ist, ob sich genügend Kollegen dafür finden. Ein Sixt-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, sagt, die Mitarbeiter seien mit den Arbeitsbedingungen sehr unzufrieden. Deshalb stoße die Etablierung eines Betriebsrates auf offene Ohren, aber nach den Kündigungen sei bei der Belegschaft auch die Angst gewachsen. Denn ihren Arbeitsplatz wollen viele nicht riskieren.

Heute urteilt das Rostocker Arbeitsgericht über die Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung von Torsten Sting. Seine Anwältin sieht gute Chancen für ihren Mandanten. Ein positives Urteil für ihn könnte die Aktivitäten für eine baldige Betriebsratswahl beschleunigen. Das wäre nach Gewerkschaftsangaben ein Novum bei Sixt. In der Vergangenheit seien Versuche von Mitarbeitern in anderen Standorten, einen Betriebsrat aufzubauen, immer gescheitert.

Im April wurden die 28 Mitarbeiter der Bonner Filiale der arwe-Service GmbH, die überwiegend Serviceleistungen für Sixt erbringt, entlassen und die Filiale wurde geschlossen. Einen Tag zuvor hatten die Beschäftigten einen Betriebsrat gewählt. »Es ist unfassbar, wie Arbeitgeber heute immer noch versuchen, Betriebsräte zu verhindern. Damit setzt die arwe die Existenz der Arbeitnehmer bewusst aufs Spiel«, moniert der zuständige ver.di-Sekretär Özcan Öz- demir. Er hält die ökonomischen Gründe, die die Geschäftsleitung für die Schließung anführt, für vorgeschoben. »Die Aufträge sind da, durch die Verlagerung auf den Subunternehmer entstehen der arwe bis zum Ablauf der Kündigungsfrist sogar doppelte Kosten«, betont Özdemir und verweist auf die Internet-Seite der arwe-Service GmbH. Dort bezeichnet man sich als »ein organisch gewachsenes, wirtschaftlich gesundes und innovationsgesteuertes Unternehmen«.

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