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Fusion zum Greifen nahe

Bahngewerkschaften Transnet und GDBA schließen sich bis Anfang Dezember zusammen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Bahngewerkschaften GDBA und Transnet wollen fusionieren. Dieser Schritt wird seit Langem erwartet. Ohne Diskussionen wird er aber nicht über die Bühne gehen.

Die beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA wollen sich bis zum 1. Dezember 2010 zu einer neuen Gewerkschaft zusammenschließen. Dies bekräftigten die Leitungsgremien beider Organisationen in den vergangenen Tagen. Damit soll ein jahrelanger Prozess des Zusammenwachsens seinen Abschluss finden.

Name und Struktur der neuen Organisation sollen in den nächsten Wochen vermutlich im Schnelldurchgang beraten werden. Dabei dürfte es noch zu lebhaften Diskussionen kommen. So bemängelt etwa der Frankfurter Betriebsratsvorsitzende in der DB-Güterverkehrssparte, Alfred Lange, dass den ehrenamtlichen Transnet-Funktionären derzeit noch nicht einmal schriftliche Entwürfe eines künftigen organisatorischen Aufbaus vorlägen. »Wie sollen wir ohne vernünftige Grundlagen und inhaltliche Diskussionen ein solides Fundament für eine neue Gewerkschaft schaffen?«, fragt Lange, der ahnt, dass die Zeit für eine gründliche Diskussion viel zu knapp ist.

Der anvisierte Zusammenschluss ist nicht die erste Gewerkschaftsfusion in der deutschen Geschichte. So sind seit den 1990er Jahren die früheren DGB-Gewerkschaften Leder, Textil und Bekleidung, Holz und Kunststoff, Bergbau und Energie sowie Gartenbau und Landwirtschaft in den heutigen Gewerkschaften IG BCE, IG BAU und IG Metall aufgegangen. 2001 gelang mit der Auflösung der früheren Deutschen Angestelltengewerkschaft DAG und Verschmelzung mit vier DGB-Gewerkschaften zur DGB-Mitgliedsorganisation ver.di erstmals die Überwindung einer traditionellen Konkurrenzsituation. Mit der GDBA, die seit den 1990er Jahren offiziell die Bezeichnung »Verkehrsgewerkschaft« führt, wird sich nun aller Voraussicht nach erstmals ein Mitgliedsverband vom Deutschen Beamtenbund (dbb) abseilen. Beobachter gehen davon aus, dass die neue Bahngewerkschaft die Mitgliedschaft im DGB beantragt.

Den drohenden Verlust der GDBA vor Augen, hatte die dbb-Spitze Ende 2009 versucht, der zur Fusion mit Transnet entschlossenen GDBA möglichst viele Mitglieder abzuwerben. So kam es zum handstreichartigen Ausschluss der GDBA aus dem dbb und zur Kappung des Intranet-Zugangs der GDBA zu den Mitgliederdaten und der Homepage gdba.de. Gleichzeitig forderte der dbb-Vorstand auf eigene Faust alle GDBA-Mitglieder in persönlichen Anschreiben zum Austritt auf. In einem Formular sollten sie alternativ einen Übertritt in die dbb-Ableger GDL oder Bund des Ruhestandsbeamten bzw. in eine zu gründende dbb-loyale Bahngewerkschaft ankreuzen. Die GDBA setzte sich vor Gericht durch, verlor aber durch die Aktion einige Mitglieder. Von der angekündigten neuen dbb-Bahngewerkschaft ist nichts zu sehen.

Während die anstehende Fusion auch als Schritt zur Einheit im Verkehrssektor gefeiert wird, gehen Beobachter davon aus, dass der anhaltende Mitgliederschwund beider Organisationen den Willen zur Verschmelzung bestärkt hat. Schon vor rund fünf Jahren haben beide Organisationen eine Tarifgemeinschaft gebildet, die maßgeblich vom heutigen Transnet-Chef Alexander Kirchner und GDBA-Vizechef Heinz Fuhrmann aufgebaut wurde. Fuhrmann war bis 2002 GDL-Vizechef und wechselte nach seinem Bruch mit der GDL zur GDBA über.

Kirchner, seit Ende 2008 Transnet-Chef, ist im Gegensatz zu seinem Vor-Vorgänger Norbert Hansen bemüht, an der Zugehörigkeit seiner Gewerkschaft zum DGB keine Zweifel aufkommen zu lassen. Hansen trug sich jahrelang mit dem Gedanken, aus dem DGB auszutreten und zusammen mit GDBA, Flugbegleiterverband UFO und drei Ablegern des Christlichen Gewerkschaftsbundes eine neue »unabhängige« Verkehrsgewerkschaft zu gründen. Ob nach der geplanten Fusion die schwelenden Abgrenzungskonflikte mit der DGB-Partnerorganisation ver.di etwa um die Hoheit im Bereich von DB-Regionalbusgesellschaften überwinden werden, muss sich zeigen.

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