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Das Kind von Taung

Die Wiege der Menschheit stand auf dem schwarzen Konentinent

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Lucy oder Ardi, Cinderella oder George, Adam oder Eva? Wie hießen unsere Ur-ur-ur-Ahnen, und wo wohnten sie? Den Garten Eden hatte schon Charles Darwin aus dem Adressbuch der Menschheit verbannt. In seiner »Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl« äußerte der britische Naturforscher 1871 die Meinung, der Mensch stamme aus Afrika. Bekanntlich wurden seine Evolutionstheorien nicht von jedem wohlwollend angenommen, zumal auch folgende Fossilienfunde zunächst in eine andere Richtung wiesen. 1891 entdeckte der niederländische Anthropologe Eugène Dubois mehrere Schädelteile und Knochen auf der Insel Java, den eine Million Jahre alten »Java-Menschen«. 30 Jahre später wurden unweit von Peking in der Höhle von Zhoukoudian 700 000 Jahre alte Schädel und Knochen geborgen. Dies deutete auf Asien als Geburtsland des Menschen hin.

Aber schon 1924 wurde bestätigt: Darwin hatte Recht. In Taung, einer Kleinstadt im Norden Südafrikas nahe Kimberley, stieß der australische Paläoanthropologe Raymond Dart auf einen fast unbeschädigten Schädel und Unterkiefer mit Zähnen. Der Kopf des »Kindes von Taung« zeigte noch affenähnliche Merkmale, Gehirn und Zähne wiesen aber schon zum Menschen hin. Und: Das 2,5 Millionen Jahre alte Kind konnte aufrecht gehen. Es erhielt den Namen Australopithecus africanus. 1936 fand dann der Schotte Robert Broom in Sterkfontein, einer Höhle unweit von Johannisburg, einen Erwachsenen-Schädel, der zur gleichen Gattung gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg barg er ebenfalls in Sterkfontein den fast kompletten Schädel einer erwachsenen Frau. Die urzeitlichen »Familie« belegte Darwins Thesen.

Paläontologische Neugier erweckte auch Ostafrika. Dort gelangen dem Ehepaar Louis und Mary Leakey und später auch deren Söhnen Jonathan sowie Richard mit Ehefrau Meave und Enkeltochter Louise in Tansania (Olduvai-Schlucht), in Kenia (Turkana-See) und Äthiopien (Afar-Gebiet) zahlreiche Funde von Überresten des Vor-, Ur- und Frühmenschen. Diese Forscherdynastie hat wesentlich dazu beigetragen, dass es inzwischen einen umfangreichen Stammbaum des Menschen gibt.

Vor sieben Millionen Jahren trennten sich die menschlichen Vorfahren von den Schimpansen. Der bislang älteste Vertreter des Menschengeschlechts wurde 2001 im Tschad in der Sahelzone entdeckt: der Sahelanthropus tchadensis. Das Alter der im Jahr zuvor gefundenen Überreste eines Mannes, des »Millenium-Mannes«, wird auf fünf bis sechs Millionen Jahre geschätzt. »Ardi«, ein weitgehend vollständiges weibliches Skelett aus dem Afar-Gebiet, hat 4,4 Millionen Jahre »auf dem Buckel«, kletterte zwar noch auf Bäume, konnte aber auch schon beidbeinig gehen. Die wohl berühmteste fossile Dame ist die 3,2 Millionen alte »Lucy«. Das bestens erhaltene Skelett wurde 1974 ebenfalls im Afar-Dreieck freigelegt, nur wenige Kilometer vom späteren Fundort von »Ardi«. Sie gehörte zur frühesten Vormenschenart (Australopithecus afarensis). Dass die Australopithecinen den aufrechten Gang beherrschten, belegen Fußspuren in feuchter Vulkanasche, die Mary Leakey in Laetoli (Tansania) fand. Ob der Vormensch bereits Steinwerkzeuge nutzte, ist umstritten.

Vor 2,5 Millionen Jahre entwickelten sich aus ihnen jedenfalls die ersten Vertreter der Untergattungen Homo rudolfensis und Homo habilis. Diese Urmenschen hatten ein wesentlich größeres Gehirnvolumen und nutzten einfache Steinwerkzeuge. Die Familie Leakey hatte in der Olduvai-Schlucht verschiedenartige Geröllgeräte zum Schneiden, Schaben und Zerteilen gefunden. Deren Benutzer wurden auf die Namen Twiggy, Cinderella und George getauft, zählen 1,6 bis 1,8 Millionen Jahre und gehören zu den Homo habilis.

Die ersten Vertreter des jüngeren Homo erectus (Frühmenschen) in Afrika sind 1,9 Millionen Jahre alt. Sie bedienten sich vielseitig verwendbarer Faustkeile. Ab wann sie Feuer benutzten, ist umstritten. Es gibt aus Südafrika und Kenia 1,5 Millionen Jahre alte verrußte Steinwerkzeuge und angekohlte Knochen. Doch wurde das Feuer gezielt entzündet und unterhalten oder hatte es sich zufällig (Buschfeuer, Blitzschlag) entfacht?

Das sichere aufrechte Laufen ermöglichte dem Homo erectus, größere Entfernungen zurückzulegen. Die Konsequenz: »Out-of-Africa«, Teil 1. Der afrikanische Homo erectus wanderte über den Vorderen Orient nach Europa und Asien bis Java. In Europa erblickte derweil – nach der Zwischenstufe »Heidelberg-Mensch« – der Neandertaler das Licht des Tages, starb aber (vor 30 000 Jahren) wieder aus. In Afrika hingegen entwickelte sich die verbliebene Homo erectus-Populationen vor 160 000 Jahren zum Homo sapiens, dem Jetztmenschen, weiter. Der entscheidende Schritt zum modernen Menschen vollzog sich also in Afrika! Es setzte eine zweite Auswanderungswelle ein: »Out-of-Africa«, Teil 2. Die ersten Homo sapiens außerhalb des schwarzen Kontinents lassen sich vor 110 000 Jahren in Israel nachweisen. Es folgte erneut die Besiedlung Europas (wo es ein zeitweiliges Nebeneinander mit dem Neandertaler gab), Asiens (im Nebeneinander mit dem Homo erectus) sowie Australiens und endlich Amerikas.

»Heute habe ich den Adam gefunden!«, soll vorschnell der Finder des »Heidelberg-Menschen 1907 im Wirtshaus ausgerufen haben. Auf weitere Funde darf man gespannt sein. Letzte Meldung aus Südafrika: Vor wenigen Wochen stellte der US-Paläoanthropologe Lee Berger mehrere Skelette des Vormenschen aus der Malapa-Höhle unweit von Sterkfontein vor. Dieser Australopithecus sediba ist 1,95 Millionen Jahre alt. Wo er in der Menschen Stammbaum einzuordnen wäre, ist noch unklar.

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