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Südafrika verpasst den Traumstart

Im Eröffnungsspiel trotzt Mexiko den Bafana Bafana nach Rückstand noch ein 1:1 ab

  • Von Martin Ling, Johannesburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Südafrikas  Siphiwe Tshabalala (r.) erzielt gegen Mexiko das erste Tor des WM-Turniers. Foto: AFP
Südafrikas Siphiwe Tshabalala (r.) erzielt gegen Mexiko das erste Tor des WM-Turniers. Foto: AFP

In Soccer City gibt es nur zwei Geräuschpegel: laut oder sehr laut. In der 55.Minute explodierte das Stadion in Soweto. 1:0 für Südafrika durch ein Traumtor von Siphiwe Tshabalala, ein Name, der vor der WM in der Hitliste der Zungenbrecher oben stand und nun in die Geschichtsbücher des Fußballs eingegangen ist: Als Schütze des ersten WM-Tores auf afrikanischem Boden.

Tshabalala, der in Soccer City ein doppeltes Heimspiel hatte, weil er dort auch mit seinem Verein Kaizer Chiefs regelmäßig aufläuft, ist ohnehin einer der Lieblinge der südafrikanischen Fans. Der Mittelfeldspieler erinnert in Figur, Frisur und Spielweise an den Holländer Edgar Davids: klein, drahtig, zweikampfstark und bei jedem Antritt wehen die Dreadlocks auf dem Kopf. Schon in der ersten Hälfte war Tshabalala derjenige, der mit seinen Flügelläufen ein paar offensive Farbtupfer setzen konnte, zu mehr reichte es nicht.
Südafrika war verhalten gestartet, hatte aus einer kompakten Defensive heraus auf Konterchancen gelauert, ohne zu wirklich gefährlichen Aktionen zu kommen. Mexiko zeigte sich sehr ballsicher und kam vor allem durch den in der Jugend des FC Barcelona groß gewordenen und nun bei Galatasaray Istanbul spielenden Giovanni dos Santos zu gefährlichen Szenen.

In der zweiten Hälfte starteten die Bafana Bafana, die südafrikanischen Jungs, munterer und wagten sich stärker aus der Deckung. Der verdiente Lohn folgte mit dem Treffer von Tshabalala schon bald auf dem Fuß. Mexiko reagierte mit wütenden, aber wenig zielgerichteten Attacken. Südafrika kam dagegen zu klaren Kontermöglichkeiten, vor allem der aus Soweto stammende Teko Modise von den Orlando Pirates hätte allein vor dem Tor in der 67. Minute die Vorentscheidung erzielen können.
Stattdessen nützte Rafael Marquez vom FC Barcelona einen Stellungsfehler in der südafrikanischen Defensive zum Ausgleich. In den letzten zehn Minuten wogte die Partei hin und her, aber im Unterschied zur ersten Hälfte hatte Bafana Bafana die klareren Einschussgelegenheiten. Die klarste verpasste »The Killer« Katlego Mphela, der in der 90. Minute den Pfosten traf.
Das insgesamt leistungsgerechte Unentschieden lässt beiden Teams alle Chancen auf ein Weiterkommen in die nächste Runde. Darauf hatten sich die Fans beider Länder ohnehin schon vorab verständigt. In der für die WM geschaffenen Rea-Vaya-Schnellbuslinie feierten mexikanische und südafrikanische Fußballfans ausgelassen zusammen: Gemeinschaftsfotos wurden geknipst, die Mexikaner setzten Sprechchöre an, die Südafrikaner konterten mit Vuvuzelas und der Busfahrer amüsierte sich.

Ausnahmezustand herrschte am Freitag nicht nur rund um Soccer City, sondern in ganz Johannesburg. Die Rush Hour in Johannesburg wurde vorgezogen, schließlich hatten die Arbeitgeber von sich aus ein frühes Arbeitsende zugestanden. Schon High Noon ging in der City nur noch Schrittverkehr. Die Straßen waren überfüllt mit in südafrikanischen Trikots gekleideten Menschen. Kaum einer, der nicht eine Vuvuzela in den Händen hielt und nicht immer zum Hineinblasen bereit war.
Getrübt wurde die blendende Stimmung nur durch eine traurige Nachricht: Die an Schicksalsschlägen nicht eben arme Familie Mandela muss ein weiteres tragisches Ereignis verkraften. Zenani, die 13-jährige Urenkelin von Nelson Mandela starb beim Rückweg vom Eröffnungskonzert in Soweto bei einem Autounfall. »Der Geist von Nelson Mandela ist in Soccer City, auch wenn Madiba selbst nicht kommen konnte«, sagte Präsident Jacob Zuma bei der farbenprächtigen Eröffnungsfeier vor dem Spiel. Der Geist von Nelson Mandela, das friedvolle Miteinanderleben verschiedener Ethnien und Nationen, war an diesem Freitag auf alle Fälle spürbar. Das Fußballfest hat friedlich begonnen.

Südafrika:
Khune - Gaxa, Mokoena, Khumalo, Thwala (46. Masilela) - Tshabalala, Dikgacoi, Letholonyane, Modise - Pienaar (83. Parker), Mphela.

Mexiko:
Pérez - Aguilar (55. Guardado), Osorio, Rodriguez, Salcido - Juarez, Marquez, Torrado - dos Santos, Franco (73. Hernandez), Vela (69. Blanco).

Tore: 1:0 Tshabalala (55.), 1:1 Marquez (79.). Schiedsrichter: Irmatow (Usbekistan). Zuschauer: 84 490.

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