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Widerstand gegen »ausländische Mächte«

Einer in Westfalen ansässigen Söldnerfirma droht die Schließung

Von Michael Schulze von Glaßer, Telgte

Nach dem Medienrummel um die deutsche Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« kann das Unternehmen neue Aufträge und Bewerbungen vorweisen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen weiter.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Münster gegen die Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« halten an. Das Unternehmen mit Sitz im westfälischen Telgte möchte deutsche Söldner nach Somalia schicken und verstößt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gegen Paragraf 109h des Strafgesetzbuchs. Das Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren für denjenigen vor, der »zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung« verlockt. Da der somalische Auftraggeber, der in den USA lebende Politiker Galadid Abdinur Ahmad Darman, jedoch über kaum Einfluss in dem afrikanischen Land verfügen soll, ist zweifelhaft, ob er überhaupt als »ausländische Macht« angesehen werden kann. Falls sich der Straftatbestand jedoch erhärtet, droht von der zuständige Kreisbehörde Warendorf eine Gewerbeuntersagung.

Und das ist nicht das einzige Problem des Unternehmens. So beteuert Geschäftsführer Thomas Kaltegärtner zwar immerzu, nicht gegen deutsche Interessen handeln zu wollen, im Auswärtigen Amt und im Verteidigungsministerium hat man von »Asgaard – German Security Group« bisher aber nichts gewusst. Die Links zur Bundeswehr und zum Auswärtigen Amt verschwanden nach dem Medienrummel Ende Mai vorsorglich von der Website. Die Söldnerfirma wollte sich gegenüber dem ND nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft und den anderen Ungereimtheiten äußern und beantwortete auch keine weiteren Fragen.

Dem Söldnerunternehmen scheint das Aufsehen aber auch Vorteile gebracht zu haben: So sollen bei Asgaard hunderte neue Bewerbungen eingegangen sein. Auch zwei neue Aufträge für Personenschutz soll das Unternehmen gewonnen haben. Bald wolle man den Geschäftssitz in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt verlegen und in Düsseldorf ein repräsentatives Büro einrichten. Der jetzige Geschäftssitz in der Stadt Telgte mit 18 000 Einwohnern ist ein Einfamilienhaus mitten in einem Wohngebiet.

Dutzende Söldner soll das Unternehmen bereits heute in kurzer Zeit für Aufträge mobilisieren können. Die Ausbildung finde in ehemaligen Bundeswehr-Kasernen, unter anderem am Möhnesee im Kreis Soest statt. Schwere Waffen würden in den Einsatzländern besorgt. Bestätigen wollte Asgaard die Informationen allerdings nicht.

In Telgte geht indes der Widerstand gegen die Söldnerfirma weiter. Für die kommende Woche ist eine Vortragsveranstaltung über die Privatisierung von Krieg geplant, auch eine Aktion auf dem Marktplatz soll es geben. Die Stadt will gegen Geschäftsführer Kaltegärtner ein Ordnungsgeld verhängen, da dieser bisher kein Gewerbe angemeldet habe.

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