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Altbekanntes neu entdeckt

Bodenschätze in Afghanistan – US-Militärs verkaufen alten Hut

Zu Wochenbeginn verbreitete die »New York Times« die Kunde, US-Wissenschaftler hätten ungeheure Mengen an Bodenschätzen in Afghanistan entdeckt. Die vermeintliche Sensation ist keine und da die Nachricht aus dem Pentagon lanciert wurde, muss man nach Motiven fragen.

Etwas stimmt an der Meldung: Es gibt Kupfer, Lithium, Eisen, Gold und Kobalt in abbauwürdigen Mengen. Doch das weiß man seit Jahrzehnten und es ist nicht bekannt, dass sich US-Wissenschaftler – wie behauptet – aktuell als Erkunder hervorgetan hätten. Es ist auch eine reine Erfindung, dass afghanische Geologen dieses Wissen vor den Taliban geheim gehalten hätten. Denn: »Wissenschaft und Wirtschaft kennen die Studien seit Langem«, sagt Professor Lothar Ratschenbacher. Der Österreicher arbeitet am Institut für Geologie der TU Bergakademie Freiberg. Er kennt sich aus mit Geologie in der Region zwischen Tadschikistan, Kirgistan, China, Pakistan und Afghanistan. Die Sowjetunion habe in Afghanistan in den 60er Jahren, »also zu friedlichen Zeiten«, gründliche geologische Forschungen vorgenommen und Anfang der 1970er Jahre sehr detaillierte Karten im Maßstab 1 : 500 000 gefertigt. Die Kartierungen waren noch viel genauer«. Eine Grundlage dafür, so Ratschenberger, bildeten übrigens deutsche Forschungen. Die USA hätten in den vergangenen Jahren lediglich Satelliten- und Luftbilder dazugetan, »die aber für die geologische Erkundung wenig bringen«.

Der Professor arbeitet mit einer Gruppe von Kollegen aus Freiberg, Jena und Potsdam seit 1993 vor allem im Pamir-Gebirge. Dort sind die Bedingungen ähnlich denen in Afghanistan oder Pakistan. Doch was nützen abbauwürdige Vorkommen, wenn die gesamte Logistik fehlt, um sie gewinnbringend zu vermarkten? Einschlägige Firmen halten sich bewusst aus den politisch fragilen Gebieten heraus. »Von Afghanistan ganz zu schweigen.« Natürlich wären dort sehr interessante Forschungsfelder, doch »auch Wissenschaftler wollen ihre Beine behalten«, sagt Ratschenbacher und verweist auf die enorme Gefahr durch Minen.

Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass sich jeder, der über den Abbau solcher Rohstoffe nachdenkt, mit China gut stellen muss. »Sie werden kaum eine Chance haben gegen China, denn die Volksrepublik investiert gewaltig in den friedlichen Bergbauregionen Asiens, baut Straßen und Transporttrassen.« Die alles entscheidende Frage laute: Wie transportiere ich den abgebauten Reichtum zu einem Hafen oder gleich zum Verarbeitungszentren? »Kirgistan oder Tadschikistan haben Russland im Norden, also kann man sich noch auf die alte Infrastruktur der Sowjetunion stützen. In Afghanistan gibt es keine Bahnlinie, keine Straßen«.

So ist das auch, wenn man das Thema Erdgas im afghanisch-tad-schikischen Becken aufruft. Der Total-Konzern wisse genau, dass es auch mittelfristig keinen Sinn macht, die Vorkommen anzubohren, weil man den Rohstoff nicht vermarkten kann. Kriege machen die Situation noch komplizierter. Ratschenbacher meint, es müsse politisch geplant werden, wie man die Bodenschätze nicht nur aus der Erde, sondern auch zu den Abnehmern bekommt.

Doch auch wer in Tadschikistan oder ähnlichen Gebieten Erkundungen betreibe, dürfe sich nicht darüber wundern, wie lange der Aufschluss solcher Lager dauert. Der Freiburger Professor prognostiziert: Selbst im von Unruhen weitgehend verschonten Tadschikistan würde man 10 oder 15 Jahre brauchen, bis man beginnen könne, bekannte Bodenschätze abzubauen.

Die Motive, weshalb gerade jetzt altbekannte Bodenschätze neu entdeckt werden, kann Ratschenbacher nur erahnen: Die Nachricht kommt von den US-Militärs und die brauchen vor allem eines: gute Nachrichten, die Hoffnung verbreiten.

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