Kontaktbörse mit Weichspüler

In Deutschlands Großstädten gibt es immer mehr Waschcafés. Schon der Duft sei besonders, sagen Fans

  • Von Antonia Lange, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit dreckiger Wäsche lässt sich nicht nur einfach Geld verdienen: Man nehme einen Waschsalon und ein Café und mache daraus einen Treffpunkt für einsame Großstadtherzen.

München. Wenn Peter van der Meer schmutzige Wäsche wäscht, steigt ihm der Duft von frischem Kaffee und Kuchen in die Nase. Mitten in der Münchner Innenstadt betreibt der 42-Jährige einen Waschsalon, der zugleich Café und Treffpunkt für einsame Großstadtherzen ist. »Die Kommunikation ist hier ganz anders als in einem normalen Café oder einer Bar«, sagt van der Meer. »Die Leute waschen ihre schmutzige Wäsche gerne in der Öffentlichkeit.«

Das Münchner »Wash and Coffee« ist ein Paradebeispiel für eine wahre Waschsalon-Kultur, die sich in Deutschlands Großstädten herausgebildet hat. »Man trifft sich zum Kochen, warum sollte man nicht auch zusammen waschen gehen?«, fragt Sabina Schmitz, die Verantwortliche für das Konzept des Münchner Waschsalons.

Viele sind auf Durchreise

»Ich treffe mich hier immer mit einer Freundin zum Wäschewaschen«, erzählt die 22-jährige Cornelia. Allerdings kommt sie auch gern »einfach nur so« vorbei, »weil der Kaffee gut ist«. Heute ist sie mit einer neuen Bekanntschaft da. An einem Tisch vor dem Salon schlürft sie in der Sonne den Milchschaum von ihrem Kaffee. Waschmaschinen und Trockner bilden dafür lediglich die Kulisse.

»Das war eine Marktlücke, auf jeden Fall«, meint der 26-jährige Pascal. Als Lichttechniker ist der Berliner nur auf der Durchreise in München. Das Konzept sei in der Hauptstadt schon länger erfolgreich. »Man kommt eigentlich nicht zum Wäschewaschen her, sondern um Leute zu treffen«, sagt Pascal.

Das Konzept »Alles mit einem Café zu mixen« sei aus den USA nach Deutschland geschwappt, heißt es. Das bestätigt auch Karen Otto aus Los Angeles. Die Kalifornierin hat auf ihrem Europa-Urlaub in München Station gemacht und kennt die Waschcafés bereits aus den USA. Obwohl es in ihrem Hotel einen Wasch-Service gibt, ist sie lieber in den Waschsalon gegangen.

»Wenn ich in einer Stadt bin, will ich sehen, wie die Leute leben«, erzählt die 63-Jährige. »Und das kann ich hier.« Während ihre Kleider sich in der Trommel drehen, trinkt sie einen Tee. Im Stuhl daneben liest ihr Mann Zeitung. Peter van der Meer hat die beiden mit ein paar Extra-Naschereien versorgt.

»Fast jeder zweite Kunde ist auf der Durchreise«, erzählt er. »Es ist ganz interessant zu sehen, dass Gäste, die sich ein teures Hotel leisten können, in einen Waschsalon gehen.« Während er spricht, duftet es nach Weichspüler und Kaffee. Viele kämen tatsächlich her, »weil es so toll riecht«, meint van der Meer.

Vermietung für Partys

Die Leute knüpften auch untereinander schnell Kontakte. Bis zu 100 Ladungen schmutziger Wäsche werden täglich in dem Salon gewaschen. Dabei müssten sich die Kunden natürlich die Zeit vertreiben. »Wir kriegen ganz oft mit, dass sich da nette Gespräche entwickeln.«

Und weil »der Charme der Maschinen«, wie es Ulrich Guttmann nennt, so schön ist, werden viele Waschsalons auch für Partys genutzt. Im Café »Waschsalon« in Köln etwa dienen die Trommeln ausschließlich als Kulisse, während in der »Waschbar« in Potsdam regelmäßig Ausstellungen und Konzerte rund um die Maschinen stattfinden.

Auch diesen Trend wollen sich die Betreiber in München nicht entgehen lassen: Für Partys wird der Salon bereits vermietet, erzählt Sabina Schmitz. Der Waschsalon als Kontaktbörse – diese Idee soll künftig ausgebaut werden: »Bald gibt es dann Waschseminare für Singles.«

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