Altes Stadionfieber neu entfacht

Vor einem Jahr wurde das Deutsche Fußballmuseum Berlin eröffnet – Besucher aus aller Welt

Medaillen und Pokale, Tickets und Programme, Trikots und Bälle: Im Deutschen Fußballmuseum Berlin sind mehr als 500 Exponate aufgereiht. Vor einem Jahr öffnete die einzigartige Schau, die inzwischen noch erweitert wurde.

Allen Skeptikern zum Trotz hat sich das kleine Museum mitten in einem Lichtenberger Kiez bereits im In- und Ausland einen Namen gemacht. »Zu den Gästen mit der längsten Anreise gehören Fußballbegeisterte aus Mexiko, Australien und Kanada«, sagt Uwe Sgaislik vom Vorstand des Vereins Museum für deutsch-europäische Fußballkultur in Berlin e.V. Und die meisten, die die mühevoll zusammen getragenen Utensilien, Ton- und Filmdokumente hautnah erleben, seien begeistert.

Johann Schlüper, ein Senior aus Köln, und der Berliner Volkswirt Hartmut Lohmeier legten praktisch den Grundstein für ein solches Museum. Viele Leihgaben, Schenkungen und auch angekaufte Artikel, die aus der Fußball-Geschichte in Ost und West stammen, machen die Ausstellung so lebendig.

Zu den neuen Präsentationen gehört die 74er-Ecke: Auf einem Bildschirm kann man das legendäre Tor verfolgen, mit dem Jürgen Sparwasser 1974 während der Weltmeisterschaft das 1:0 gegen die BRD erzielte. Wer möchte, nimmt dabei auf Originalsitzen aus dem Münchner Olympiastadion Platz.

Ausgebaut wurde in den vergangenen Monaten auch der Themenbereich »Verlorene Endspiele«. »Sieben Mal stand Deutschland bisher im Finale – und verfehlte vier Mal den Titel«, sagt Sgaislik. In der WM-Vitrine des Jahres 1966 steht nun zwischen alten Programmheften ein kleines Maskottchen – erstmals tauchten damals nämlich in England diese Symbolfiguren auf. Von dem Finalspiel 1986 gegen Mexiko zeugt ein Ball mit den Unterschriften der Spieler. Dicht daneben wurde die 2010-WM-Vitrine aufgebaut: Mit dem aktuellen Trikot der deutschen Mannschaft, einem Ball und einem Sticker aus Südafrika. Ganz bewusst fiel die Wahl auf diesen Museumsbereich. Schließlich rechnen die Mitarbeiter fest damit, dass Deutschland nach 2002 nun wieder im Endspiel steht.

Besondere Aktionen sind allerdings während der Weltmeisterschaft nicht geplant. »Dafür reichen unsere Finanzen nicht«, sagt Uwe Sgaislik. Der Verein vermietet aber auch bei Bedarf die rund 450 Quadratmeter großen Räumlichkeiten.

Stück für Stück soll die Fußballsammlung vervollständigt, erweitert und aktualisiert werden. Im Vergleich zum Eröffnungsjahr hat sich in dem kleinen »Wunder-von-Bern-Kabinett« eine Menge getan: Vor Schwarz-Weiß-Dokumentar-Szenen des legendären Endspiels von 1954 entsteht das Wankdorfstadion im Maßstab 1:100. Noch sind aber viele Sitzreihen leer. Die füllen sich nur, wenn die Besucher das Projekt tatkräftig unterstützen: Indem sie sich eine winzige Figur aussuchen, dafür einen Euro in die Vereinskasse werfen und dann einen Platz im Stadion besetzen.

Neben großen Fotos der Helden, die vor 56 Jahren, am 4. Juli, Fußball-Weltmeister wurden, hängen historische Hemden und liegen alte Sportschuhe mit Plastik-Schraubstollen.

Neu ist auch der detailliert gestaltete Bereich über den Berliner Fußball. Die Klubs Hertha BSC, 1. FC Union, BFC Dynamo und Vorwärts Berlin werden mit ihren Erfolgen dargestellt. Abwechselnd sollen andere Berliner Vereine die Chance zur Präsentation erhalten.

Wünsche und Ideen haben die ehrenamtlichen Fußball-Spezialisten, die Personalverstärkung von der Agrarbörse Deutschland Ost e. V. erhalten, noch genug. Ganz oben auf der Liste steht beispielsweise die Aufbereitung und Darstellung des erfolgreichen deutschen Frauenfußballs. Bislang sei es aber schwierig, an Material zu kommen, erklärt Sgaislik.

Langsam angelaufen ist die Zusammenarbeit mit Schulen. Zu ermäßigtem Eintritt gibt es Angebote für Projekttage und Führungen. Auch Lesungen und Autogrammstunden stehen auf dem Programm. Kürzlich wurde der kampferprobte DDR-Fußballer von einst – Peter Ducke – zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. »Weitere sollen folgen«, kündigt der Vorstand verheißungsvoll an.

Deutsches Fußballmuseum Berlin, Anton-Saefkow-Platz 13, 10369 Berlin. Weitere Infos unter www.dfm-berlin.de.

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