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Schlüsselbranche in Bedrängnis

Vorwürfe gegen Banken – Maschinenbauer und IG Metall schlagen Alarm

  • Von Hans-Gerd Öfinger,
  • Lesedauer: 3 Min.
Frankfurt am Main

Vor einer drohenden Kreditklemme und massiven Nachteilen für die deutsche Maschinenbauindustrie warnt eine Erklärung des Branchenverbands VDMA und der IG Metall. Beide Organisationen kritisierten die restriktive Kreditvergabe der Banken.

Wenn ein Branchenverband wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und die größte DGB-Gewerkschaft IG Metall unisono die Rolle deutscher Großbanken kritisieren und an deren Verantwortung appellieren, muss die Not groß sein. Beide treibt die Sorge um, dass mittelständische Betriebe der Branche ohne Kredite zu akzeptablen Bedingungen in Bedrängnis geraten könnten. Die Betriebe im VDMA-Bereich haben im Schnitt 160 Beschäftigte. Insgesamt arbeiten 903 000 Menschen in der Branche, die als ein Schlüsselbereich der bundesdeutschen Industrie gilt.

»Die Finanzierung der Unternehmen ist entscheidend, um einen langfristigen, stabilen konjunkturellen Aufschwung nicht abzuwürgen«, so VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse bei der Pressekonferenz in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale. Zwar zeichne sich nach dem Einbruch 2009 eine leichte Erholung ab, die Kapazitätsauslastung sei wieder auf 80 Prozent gestiegen. Die Lage bleibe aber »volatil«, zumal wesentliche Impulse vorwiegend aus Schwellen- und Entwicklungsländern kämen. »Ohne China hätten wir in vielen Bereichen die Kurve nur schwer gekriegt«, so Hesse.

Die entscheidende Nagelprobe stünde aber noch bevor, wenn bei einer weiteren Konjunkturbelebung neue Investitionen finanziert werden müssten. Angesichts der Spezialisierung der Branche mit ihren 39 Fachverbänden sprach Hesse den Banken die branchenbezogene Fachkenntnis ab.

Weniger diplomatisch drückte sich IG-Metall-Vorstand Wolfgang Rhode aus: Die Kreditversorgung durch die Banken werde zum »drückenden Problem« und »ernsten Gefahrenherd«, so der Gewerkschafter: »Es ist nicht zu akzeptieren, dass Banken ihre Kreditzusagen vom Abbau von Arbeitsplätzen abhängig machen.« Nichts anderes verstecke sich nämlich hinter der Forderung nach »Restrukturierung« als Auflage für einen Kredit. IG-Metall-Betriebsräte registrierten eine »Verschärfung der Kreditkonditionen« und steigenden Kostendruck. Rhode verlangte von den Banken »faire Konditionen und eine zügige Kreditgewährung«.

»2010 darf kein Jahr der Massenentlassungen werden«, so Rhode. Nur wenn die Belegschaften mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen an Bord blieben, habe der Maschinen- und Anlagebau eine Zukunft. VDMA und IG Metall halten sich zu Gute, dass trotz des Produktionseinbruch von 25 Prozent 2009 nur 3,4 Prozent der Kernbelegschaft abgebaut wurden. Das geschah meist über Kurzarbeit und Entlassung von Leiharbeitern.

Nun seien die Banken am Zuge, mahnte Hesse. Sie seien aufgefordert, die aus staatlichen Stützungsmaßnahmen, Bürgschafts- und Kreditprogrammen geflossenen Gelder der Industrie zur Verfügung zu stellen, und hätten es in der Hand, die Branche zu stärken. Von fairer Kreditvergabe hänge es ab, ob »dieses Land auch noch in zehn und zwanzig Jahren führende Industrienation« sein werde. Auch die Politik müsse durch eine Regulierung der Finanzwirtschaft sowie Konjunkturhilfen und staatliche Exportkreditversicherungen ihren Beitrag leisten.

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