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Chefideologe

Volker Ludwig gibt nach über 40 Jahren die Leitung des Berliner Grips-Theaters ab

Er war der linke Chefideologe der Kinderzimmer. Zahllose sich antiautoritär wähnende Haushalte im Westdeutschland der 70er Jahre pilgerten mit dem Nachwuchs ins vom Erfinder, Gründer, Autoren und künstlerischen Leiter Volker Ludwig geprägte Grips-Theater. Nichtberliner spielten ihren Kleinen zumindest die Schallplatten vor. Dieser Erfolg, bereits Jahrzehnte vor dem internationalen Grips-Blockbuster »Linie 1«, lag nicht unbedingt an Konkurrenzlosigkeit – engagierte Jugendtheater gründeten sich im 68er-Umbruch zuhauf –, sondern an Qualität und Witz, die sich in Ludwigs Handlungen, Dialogen und Songtexten niederschlugen. Und an der medialen Hexenjagd, die Springerpresse und CDU dem »kommunistischen Kinderverderber« anfangs angedeihen ließen. Nun hat der 73-jährige Ludwig, der übrigens nie Regie führte, angekündigt, nach 42 Jahren die künstlerische Leitung »seines« Grips-Theaters Stefan Fischer-Fels – derzeit Leiter des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf – zur Spielzeit 2011 zu überlassen.

Die Stabübergabe am Jugendtheater im Berliner Bezirk Tiergarten (mit mittlerweile einer Dépendance in Mitte) soll behutsam vonstatten gehen. Ganz wird er dem Grips also noch nicht den Rücken kehren, der 1937 in Ludwigshafen geborene, in Thüringen aufgewachsene und seit 1952 in (West-)Berlin lebende Vielschreiber Ludwig. So wird er nach wie vor der Geschäftsleitung angehören und er will auch weiterhin schöpferisch tätig sein.

Über 30 Theaterstücke gehen bereits auf sein Konto, dazu etliche Übersetzungen und Beiträge für die Kabarettisten vom »Scheibenwischer« oder der »Lach- und Schießgesellschaft« sowie Songs für »Sesamstraße« und »Rappelkiste«. Laut Grips-Theater wurden die Stücke Volker Ludwigs bisher über 1500 Mal in 43 Sprachen nachinszeniert, was den Faust-Preis-Träger fürs Lebenswerk zum in Deutschland meistgespielten Theaterautoren nach Shakespeare, Brecht und Molière macht.

Sie mögen vor Belehrungen und so manchem Klischee strotzen, die Ludwig-Perlen wie »Mannomann!« (1972), »Linie1« (1986) oder, für Erwachsene, »Rosa« (2008) – mindestens aber sind sie musikalisch, dramaturgisch und ideologisch hervorragend verpackt.

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