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Zwischen den Meeren

Lübeck präsentiert Schmidt-Rottluff-Schau

  • Von Lutz Gallinat, Lübeck
  • Lesedauer: 3 Min.
In einer Doppelausstellung werden derzeit in der Hansestadt Lübeck Ostseebilder des deutschen Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff präsentiert. Der Besucher kann die stilistische Metamorphose im Wirken des großen Künstlers nachvollziehen.

Der deutsche Maler, Grafiker und Bildhauer Karl Schmidt-Rottluff wurde am 1. Dezember 1884 in Rottluff geboren und verstarb am 10. August 1976 in Berlin. Er war 1905 Mitbegründer der »Brücke«. Die Nazis erteilten ihm 1941 Berufsverbot, 1946 war der Künstler Mitbegründer des Kulturbundes. Er wurde Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, war 1947 bis 1954 Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg und lebte seitdem in Berlin. 1967 gründete er eine Stiftung für die Einrichtung des Brücke-Museums.

Schmidt-Rottluff reiste regelmäßig an die Ostsee, nach Alsen, Hohwacht, Jershöft, Lebasee und zwischen 1951 und 1973 immer wieder nach Sierksdorf, wo er Menschen und Landschaft in eindrucksvollen Arbeiten mit expressivem Pinselstrich und leuchtenden Farben malerisch bannte. In Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin werden nun in Lübeck die vielen Motive der Ostseereisen in einer umfangreichen Ausstellung gezeigt: im Behnhaus Drägerhaus aus dem Schaffen bis in die 1940er Jahre, in der St.Annen Kunsthalle die Sierksdorfer Motive der Nachkriegszeit. So lässt sich anhand der verschiedenen Sommeraufenthalte die stilistische Metamorphose im Wirken Schmidt-Rottluffs nachvollziehen, beginnend mit seinen frühen Highlights bis in sein reifes Spätoeuvre. Die Komplexität dieses Lebenswerks erhellt die Ausstellung mit exzellenten Gemälden ebenso wie mit Aquarellen und Holzschnitten.

Zwischen 1900 und 1905 entstanden nach der Natur erste Zeichnungen und Aquarelle. 1905 , vermutlich schon in Dresden, setzten Holzschnitte bis 1930 ein, um 1904 begann die Ölmalerei. Schon damals kristallisierten sich bei dem Autodidakten Schmidt-Rottluff seine wichtigsten Motivbereiche Landschaft, Stillleben, Akt, Bildnis und Selbstbildnis heraus, ebenso das Arbeiten in Ölmalerei, Aquarell, Tuschmalerei und Druckgrafik.

Ausgehend von den Erfahrungen des Impressionismus, diese in rascher Entwicklung aufhebend, wurden seine Bilder durch die leidenschaftlich aufgetragene und bildbestimmende Farbe eigenwillig ausdrucksbetont und gefühlsstark. Bis 1910 vollzog sich dann eine zunehmende Verknappung der Form und der Verfestigung der Bildstruktur, verbunden mit der Wendung vom impressionistischen Farb-Licht-Spiel zu reiner und leuchtender Farbigkeit.

Die Motive aus dem Dangaster Moor, von der See einschließlich der Eindrücke von der Norwegenreise 1911 prägten jetzt sein Werk, in dem sich seine kraftvolle, sinnlich elementare, zupackende Art unverhüllt aussprach. »Geschehenes im Kern des Wesens« geben, beanspruchte er 1910 in einem Brief für seine Kunst. Gegen Mitte der 1920er Jahre differenzierte sich die Bildsprache, wurde malerischer, lockerer, tiefenräumlicher, schönheitssuchend, es entstanden seine reifen Stillleben und Landschaften von der Ostsee, aus dem Tessin und anderen Gegenden. Die Arbeiten nach 1933 zeigten Melancholie, bedrückte Stimmungen, die Farbe gewann wieder gleichnishafte Kraft, vorherrschend wurden Tuschpinselmalerei und Aquarell. Nach 1945 hatte Schmidt-Rottluff weiterhin farbschöne und ausdrucksstarke Landschaften, Stillleben und Selbstbildnisse gemalt, die betonte Sinnlichkeit der früheren Arbeiten wurde zurückgenommen, subtiler, verinnerlichter, geistiger.

Die großartige Lübecker Doppelausstellung ist noch bis zum 5. September zu sehen.

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