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Mit breiter Brust

Gastgeber Kanada sieht sich als Vorbild

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Kanada empfängt mit breiter Brust die Staats- und Regierungschefs der G20. »Die Welt wäre gern wie Kanada«, titelt der »Toronto Globe«. Das unabhängige Historica-Dominion Institute hatte Bürger in 24 Industrienationen befragt. Ergebnis: Die Hälfte würde nach Kanada auswandern – wegen der Wirtschaftskraft, Toleranz und bürgerlichen Freiheiten.

Das Land des Ahorns hat eine starke nachfrageorientierte Wirtschaft, stetige Zuwanderung und große natürliche Ressourcen, deren (allerdings zum Teil umweltschädliche) Ausbeutung lukrativ ist. Kanada hat Finanzkrise und Rezession rasch und heil überstanden, dabei die Bürgerrechte und die Sozialleistungen bewahrt. Der Bankensektor war schon vor der Krise streng reguliert und geriet nie in Versuchung, zu viel Auslandskapital aufzunehmen. Aus dem in den 90er Jahren konsolidierten Staatshaushalt ließen sich problemlos Konjunkturprogramme finanzieren. Der Internationale Währungsfonds prophezeit Kanada als einzigem Industrieland bis 2015 einen Haushaltsüberschuss.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2010 massiv um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das ganze Jahr wird ein Plus von 3,5 Prozent erwartet. Rund 300 000 Arbeitsplätze sind in diesem Jahr geschaffen worden – das sind 75 Prozent der in der Krise verlorengegangenen. Der Immobilienmarkt ist gesund, auch in den Großstädten.

Auf dem G20-Gipfel soll Kanada aber nicht nur durch sein eigenes Beispiel führen, sondern auch für Kompromisse sorgen. Premierminister Stephen Harper wird den G20-Ländern eine Reduzierung ihrer Haushaltsdefizite um 50 Prozent in den kommenden drei Jahren vorschlagen. Dagegen wird US-Präsident Barack Obama opponieren, während Harper die Europäer damit auf seiner Seite hat. Gleichzeitig lehnt er die von der EU geforderte internationale Bankenabgabe ab – kein Wunder, denn Kanadas Geldhäuser haben im Casino nicht mitgezockt.

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