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Die Kunst des Selbsttors

DVD-Tipp: »The Damned United« – Liebe und Hass der Trainer

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Das eigentlich Interessante am Fußball sind die Trainer. Aus einer bestimmten Perspektive zumindest, einer allerdings distanzierten, vielleicht auch einer ironischen. Die Spieler spielen, aber was macht eigentlich der Trainer? Die Frage stellt man sich ja auch oft, wenn man ein Orchester spielen hört. Nur, dass der Trainer hier Dirigent heißt. Die Musik klingt dann unweigerlich nicht nur nach dem Komponisten, sondern auch nach dem Dirigenten. Rhythmus, Tempi, offensiver (forte!) oder defensiver (piano!) Stil – jedes Spiel ist Interpretation, gleich ob auf dem Rasen oder im Konzertsaal.

Überhaupt: Trainer sind Mischwesen. Kultivierungsformen des immer gleichen Typus Diktator. Zugleich Götter und größte Idioten. Manchmal Schnösel, die mit ihrem Dünkel das Spiel verunreinigen, manchmal auch Voodoo-Priester, Paten des Fußballs (Maradona!), immer häufiger auch technokratische Bescheidwisser oder jung-dynamische Vorsteher eines »Kompetenzteams«. Joachim Löw immerhin, mittels dezentem Mischton aus Jugendlichkeit und Seriosität im gedeckten Partnerlook passt in keines dieser Raster. Ihn zeichnet ein beachtliches Maß an Hingabe- und Verweigerungsfähigkeitit aus. Das ist niemand, der immer nur allen gefallen will. Dem Publikum gefällt ohnehin nur, wer gewinnt. Aber in jeder Abfolge von Spielen kommt unweigerlich das Spiel, das verloren geht. Einem wie Löw nimmt man auch Niederlagen ab. Wer sein Maß im Siegen behauptet, den stürzen auch Niederlage nicht völlig zu Boden.

So nach und nach verabschieden sich in diesen Tagen Mannschaften und Trainer. Das Ende des Turniers markiert den Beginn des Sommerlochs. Wer von Trainerdramen und Innenansichten des Fußballs dann noch nicht genug hat, dem sei »The Damned United – Der ewige Gegner«, ein Film von Tom Hooper empfohlen. Eine DVD, die den englischen Fußball mit englischem Humor kontert. Und der ist so schwarz wie die Seele zweier exzentrischer Rivalen auf der Trainerbank. Die Geschichte ist authentisch, für den Laien gibt es Fußballgeschichte im Bonusteil. 44 Tage war Brian Clough (ein arroganter Schnösel mit begrenzten Fähigkeiten, jedoch unbegrenztem Ehrgeiz: Michael Sheen) in den 70er Jahren Trainer bei Leeds United. Der Traumjob wird zum Albtraum, so scheint es. Denn unter ihm verliert der Renommierverein der ersten englischen Division ein Spiel nach dem anderen. Aber keiner ahnt, dass hier ein Trainer sein ganz persönliches Revanchematch spielt.

Kleine Ursachen, große Wirkungen. Wie wird jemand seiner Umwelt so unverständlich, wie er ihr jetzt erscheint? Der Film antwortet mit einem Abgrund aus Aberwitz. Ein solches Ekel wie dieser Brian Clough, der es schafft, die gesamte Mannschaft und alle Fans vom ersten Tag an gegen sich zu haben, braucht gute Gründe. In Rückblenden erfahren wir, was Leeds United im Leben dieses Mannes bedeutete: Rivalität! Kränkung! Denn der »Vater« dieses englischen Erfolgsclubs, Don Revie, hatte seinem jungen Kollegen, auf den er als Trainer eines Drittligavereins in einem Pokalspiel traf, vor langer Zeit glatt übersehen und es vergessen, ihm die Hand zu geben. Und nun – Jahre später – zerstört Clough dessen Lebenswerk Leads United.

Enttäuschte Liebe ist eben eine nicht zu unterschätzende Triebkraft der Geschichte, auch des Fußballs. Und immer wiederholt sich etwas. Das, was einem selbst passiert ist, dasselbe macht man nun mit anderen. Clough hatte einen sehr fähigen Co-Trainer, der im Unterschied zu ihm wirklich etwas von Fußball verstand. Ihn behandelte er nun so abfällig, wie er selbst behandelt wurde. Die Folge: Er stand bei Leeds Uniteds allein da. Aber noch in der größten Katastrophe steckt die Chance zur Gesundung. Das unterschlägt Sheen keineswegs in diesem schwärzesten – und zugleich lakonischsten – aller Sommeralbträume.

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