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Linke töten im Allgemeinen nicht

Kreuzberger Splitterpartei CDU lud zur Veranstaltung über Gewalt im Kiez

Wenn die Friedrichshain-Kreuzberger CDU zur Diskussion einlädt, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. Schließlich ist der Kreisverband mit marginalen Wahlergebnissen im einstelligen Prozentbereich mit den Zuständen im Bezirk höchst unzufrieden. Galionsfigur gegen den linken Mainstream vor Ort ist der gelernte Maurer und Kreisvorsitzende Kurt Wansner (61), der mit seinem immer etwas roten runden Kopf auch ein interessantes Maskottchen abliefert. Dieses Jahr gelang es ihm im zweiten Anlauf, einen CDU-Stand auf dem Kreuzberger Myfest am 1. Mai direkt auf der Oranienstraße aufzubauen. Im Vorjahr hatte ihm die Polizei das aus Sicherheitsgründen noch untersagt.

Morgenluft witternd, angesichts der momentanen Medienberichterstattung, ließ er über die Konrad-Adenauer-Stiftung ins Kreuzberger Rathaus einladen zur Diskussion: »Linke Gewalt – Wo brennt es in Friedrichshain-Kreuzberg?«

Gekommen sind immerhin so viele, dass alle Plätze im Sitzungssaal belegt waren. Ein Publikum ähnlich der Besetzung eines durchschnittlichen Berliner U-Bahnwagens minus Motz-Verkäufer, minus Punker, minus Ghettokids. Und mittendrin Kurt Wansner, der recht emotional einleitet und erzählt, wie er seit Jahren bei jedem Innenausschuss das Thema linke Gewalt anspreche und sich der nun – endlich – seit einem halben Jahr damit auch beschäftige. Davor sei es immer nur um rechte Gewalt gegangen. »Man möchte Leuten in unserem Bezirk verbieten, mit einer Deutschlandfahne spazieren zu fahren«, empört er sich weiter.

Doch zunächst haben die Experten das Wort. Es sind Kriminaloberrat Stefan Redlich und Kriminalhauptkommissar Dirk Stoewhase vom Staatsschutz. Sehr nüchtern und distanziert sprechen sie über die Zahlen und Entwicklungen. Dabei geht es auch um die brennenden Autos. »Da gab es dieses Jahr einen deutlichen Rückgang«, sagt Stoewhase. Das liege wohl einerseits daran, dass es lange kalt war (»Auch Linken ist kalt, die sind dann einfach nicht so viel auf der Straße.«), andererseits sorgte der dieses Jahr lange liegende Schnee für mehr nächtliche Helligkeit und außerdem sei auch innerhalb der Linksextremen das wahllose Anzünden von Autos umstritten. Als großen Unterschied zwischen links- und rechtsmotivierten Gewalttaten führt Redlich an, dass Linke allgemein versuchten, nicht zu töten.

Unbefriedigend für die CDUler wird es während der Fragerunde an die zwei Kommissare. Wie es um die Verbindungen zur Linkspartei stehe? – Da lägen keine Erkenntnisse vor. Ob nicht eine flächendeckende Kameraüberwachung wie in England die Lösung wäre? – Nun ja, man wolle doch keine Stadt, in der sich nur noch die Polizei wohlfühle. Warum denn die Gerichte immer wieder von der Polizei verbotene Demos erlaubten? – So sei der Rechtsstaat nun mal. Ob die Stasi hinter den »Nie wieder Deutschland«-Aufklebern stecke? – Die gibt’s doch nicht mehr, aber kennen Sie einen weiteren Slogan der Antideutschen?!: »Do it again, Bomber Harris.«

Wahrscheinlich hatte man sich bei der CDU die Polizisten anders vorgestellt. Im Schlusswort erklärt Kurt Wansner noch, dass der Grüne Politiker Hans-Christian Ströbele ein Teil des Problems sei. Bei dem kleinen Büffet im Anschluss erzählt ein CDU-Parteifreund vom Bergmannstraßenfest und dass er dort Ströbele gesehen habe. »Was für ein Marketinggenie«, sagt er. Wansner schweigt.

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