• Politik
  • Währungsunion vor 20 Jahren

Der Gott, der Mammon heißt

Vor 20 Jahren war mit der Währungsunion auch der Systemwechsel beschlossen

  • Von Friedrich Schorlemmer
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Ein Staat, der seine Währung aufgibt, gibt seine Souveränität auf. Das zuerst in Leipzig gezeigte Demo-Plakat hat via West-Fernsehen seit Dezember 1989 Geschichte geschrieben: »Kommt die D-Mark, bleiben wir. Kommt sie nicht, gehn wir zu ihr!«

Vor 20 Jahren, am 1. Juli 1990, trat die Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft. Die Einführung der D-Mark in der DDR hatte dramatische Folgen und bahnte zugleich den kürzesten Weg zur deutschen Einheit und für den Wahlsieg Helmut Kohls. Die Wochen zuvor waren geprägt von einem hartnäckigen Kampf um die Eigentumsverhältnisse im Osten Deutschlands.

War dies nun eine Einzelmeinung oder spiegelte sich hier eine millionenfache Sehnsucht, verbunden mit der Drohung, den Westen mit Massenübersiedlung zu überfluten? DDR-Bürger waren ja Deutsche, konnten nicht abgewiesen werden und die Aufnahmelager waren bereits überfüllt. Wie dem auch sein, damit wurde Politik gemacht. Ihr kriegt das Geld, und das sehr bald, wenn ihr nur die wählt, die den Schlüssel zur Kasse haben; deutsche Einheit durch Deutsche Mark unter Führung von Helmut Kohl.

Für viele Ostbürger war die DM geradezu die Währung der Freiheit, ehe sie begriffen, dass das auch eine harte Währung war. Ein Schock für die meisten DDR-Betriebe war aufgrund des technischen Rückstandes, 50 Prozent geringerer Arbeitsproduktivität und der Attraktion von Westwaren unvermeidlich. Und den Ostdeutschen war es kaum zu verdenken, dass sie nunmehr fürs gute Geld gute (West-)Produkte kaufen wollten, ohne sich klar zu machen, dass sie damit den Ast ...

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