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  • Frauen-Geschichte(n)

Johanna Kinkel

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Musikpädagogin, Komponistin, Chorleiterin, Dirigentin, Schriftstellerin und Stimme des Vormärz sowie der 48er Revolution – das war Johanna Kinkel.

Am 8. Juli 1810 in Bonn als Johanna Mockel, Tochter eines Gymnasiallehrers, geboren, wurde früh ihr musikalisches Talent ausgebildet, durch Franz Anton Ries, Lehrer von Ludwig van Beethoven. Von Ries übernahm Johanna Mockel dann die Leitung des Bonner Musikkränzchens, das sie zu einen Gesangsverein entwickelte, den sie dirigierte und für den sie komponierte. 1832 ließ sich die aufstrebende Musikerin allerdings auf eine Ehe mit dem Kölner Musikalienhändler Johann Mathieux ein, die bereits nach sechs Monaten zerrüttet war. Johanna lebte nun wieder im Elternhaus, bildete sich auto- didaktisch weiter und wartete vergeblich auf eine Verbindung mit ihrem Freund Clemens Brentano. 1836 wechselte sie auf Anraten von Felix Mendelssohn Bartholdy nach Berlin. Sie verdiente sich ihren Unterhalt als Musiklehrerin sowie mit eigenen Liedkompositionen. Nach ihrer Rückkehr nach Bonn 1839 kam sie in engeren Kontakt zum progressiven Theologen, Schriftsteller und Vormärzler Gottfried Kinkel, mit dem sie 1840 den Maikäferbund gründete. Die katholische Johanna konvertierte zum evangelischen Glauben, heiratete Kinkel 1843, veröffentlichte Musikerzählungen und bemerkenswerte Vormärztexte. 1848 wurde sie Chefredakteurin der »Neuen Bonner Zeitung«. Karl Marx versuchte, die kluge, wortgewandte und sozialkritische Frau für die »Neue Rheinische Zeitung« zu gewinnen. Vergeblich.

Nach der Verhaftung ihres Mannes und dessen Verurteilung zu lebenslanger Festungshaft lebte sie mit ihren vier Kindern in großer Not. Nach Kinkels kühner Befreiung durch Carl Schurz und dessen Flucht nach England, folgte sie dem Vater ihrer Kinder 1851 nach London. Sie gründete eine Kindergesangsschule, komponierte, schriftstellerte (»Hans Ibeles in London«) und unterstützte andere Revolutions-Flüchtlinge. Das harte Exilleben untergrub indes ihre Gesundheit. Am 15. November 1858 stürzte sie unter bisher ungeklärten Umständen aus dem Schlafzimmerfenster im dritten Stock ihrer Londoner Wohnung.

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