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Die Bibel und die Toten Hosen

In Mecklenburg-Vorpommern wird über einen Schülerwettbewerb zur Heiligen Schrift gestritten

  • Von Bernhard Sprengel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
In Mecklenburg-Vorpommern sind Christen eine Minderheit. Die Bibel sollte aber jeder kennen, meint das Kultusministerium und hat alle Schüler zu einem Bibelwettbewerb aufgerufen. Das stößt auf Kritik.

Schwerin. »Wenn jeder die zehn Gebote kennen würde, wäre vieles leichter.« Der Kirchenreferent des Bildungsministeriums, Ulrich Hojczyk, denkt dabei etwa an das Problem der Jugendgewalt. Doch mit so deutlichen Worten will er den diesjährigen Schülerbibelwettbewerb eigentlich gar nicht verteidigen. Fest steht für ihn nur: »Die Kenntnis der Bibel ist ganz wichtig.« Doch selbstverständlich ist das Wissen um den Inhalt der Heiligen Schrift in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr. Nur noch rund 20 Prozent der Bevölkerung sind Mitglied einer Kirche, Tendenz fallend.

Als die evangelische Deutsche Bibelgesellschaft und das Katholische Bibelwerk 1997 anfragten, ob sich das Land Mecklenburg-Vorpommern turnusgemäß am Wettbewerb »Bibel heute« beteiligen wollte, habe man bei Kirchen und Politik sehr gezögert, erinnert sich der Leiter des Bibelzentrums St. Jürgen in Barth (Nordvorpommern), Johannes Pilgrim. Der ostdeutsche Schulbetrieb sei sehr kirchenfern gewesen. Der damalige Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) habe den Wettbewerb jedoch für sinnvoll gehalten und ihn unterstützt.

Weil sich wider Erwarten 900 Schüler beteiligten, sei die Veranstaltung drei Jahre später in Eigenregie des Landes wiederholt worden. In dieser Woche zeichnete Kultusminister Henry Tesch (CDU) die Sieger des nunmehr fünften Bibelwettbewerbs aus.

Minister in der Kritik

Unumstritten ist die Veranstaltung nicht. Der Humanistische Verband Deutschlands, der auch den Religionsunterricht als ordentliches Schulfach ablehnt, kritisiert, dass Tesch eine »Sonderaktion zur Förderung der christlichen Religion« mittrage. Zu dem Wettbewerb seien auch anders- und nichtgläubige Schüler aufgerufen, die in Mecklenburg-Vorpommern 60 Prozent ausmachten. Mit seiner Schirmherrschaft verletze der Minister massiv die Trennung von Kirche und Staat, erklärt der Verband. Die Bibel sei Teil des kulturellen Erbes »wie andere Teile des Erbes auch«. Doch Tesch überhöhe die Bibel, so »als wäre sie wirklich das Wort Gottes«.

Gestört hatte sich der Verband am Aufruf des Ministers an die Schüler. Darin hatte es geheißen: »Wenn ihr die Bibel zur Hand nehmt und in ihr lest, erfahrt ihr viel über den Ursprung unseres Verhaltens, unserer Gewohnheiten und unseres Lebensablaufes. Ihr werdet merken, (...) wie stark die Bibel unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst geprägt hat.«

Pilgrim sagt zum Vorwurf des Humanistischen Verbandes: »Wir haben eine Trennung von Kirche und Staat, aber auch eine Zusammenarbeit.« An dem Wettbewerb seien die evangelischen Kirchen, die katholische und die Freikirchen beteiligt. Die Bibel ist nach den Worten des Theologen ein »Wurzelbuch der europäischen Kultur«. Sich mit ihrem Inhalt vertraut zu machen, bedeute, »die Wirklichkeit zu decodieren«. »Es hat überhaupt nichts mit Missionierung zu tun«, sagt Pilgrim über das Anliegen des Wettbewerbs. Die deutsche Sprache enthalte 350 biblische Redewendungen, die Kunst vom 14. bis 19. Jahrhundert sei ohne Kenntnis der Bibel nicht zu verstehen, so der Bibelexperte. Auch die moderne Popmusik, von den Toten Hosen über Xavier Naidoo bis zu den Fantastischen Vier, stecke voller biblischer Anspielungen.

Ausstellung in Waren

Hojczyk reagiert etwas genervt auf den Humanistischen Verband: »Das ist ein Verband von 15 bis 20 Leuten, die immer nur meckern, aber nichts entgegenzusetzen haben.« Es sei wichtig, dass allen Schülern ermöglicht werde, die christliche Prägung unserer Gesellschaft zu verstehen, betont der Kirchenreferent.

Zumindest die Entwicklung der Teilnehmerzahl dürfte Kirchengegner kaum beunruhigen. Nach 1600 im Jahr 2006 sind es diesmal 1258 Schüler, die sich am Wettbewerb beteiligt haben. Die insgesamt 148 Beiträge – Aufsätze, Präsentationen und Videoclips – sollen bis zum 23. Juli in der Warener Marienkirche zu sehen sein.

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