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Jenseits von Bollywood

Deutsche Guggenheim Berlin präsentiert kritische Positionen indischer Film- und Videokunst

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Standbild aus Shumona Goels »I am Micro«
Standbild aus Shumona Goels »I am Micro«

Sandhini Poddar, die junge Kuratorin für asiatische Kunst des Solomon R. Guggenheim Museums New York, bringt mit ihrer Ausstellung »Being Singular Plural: Moving Images from India« fünf aktuelle, äußerst kritische Positionen zeitgenössischer Video- und Filmkunst aus Indien nach Berlin.

Angesichts der Fülle der hier in nur wenigen Arbeiten versammelten kritisch-analytischen Ansätze, zudem im Kontext höchst komplexer Fragestellungen des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy (der Ausstellungstitel ist seinem Werk »Être singulier pluriel« – über singulär plurales Sein – von 1996 entlehnt) zu den Konzepten »Gemeinschaft« und »Kunst«, ist die Ausstellung eine intellektuelle Herausforderung für das Publikum.

Dennoch wirken die filmischen und akustischen Exponate auf den ersten Blick erstaunlich ansprechend auf eine sehr sinnliche und poetische Art und Weise.

So empfangen Sonal Jain und Mriganka Madhukaillya vom »Desire Machine Collective« die Besucher bereits außerhalb des Museums mit einer Klanginstallation. An der Fassade zur Straße Unter den Linden hin haben sie dreizehn, zum Teil interaktiv auf Passanten reagierende Lautsprecher montiert. Als Geräuschcollage mischen sich Tonaufnahmen aus dem heiligen Wald von Mawpglang im indischen Bundesstaat Meghalaya unter den Verkehrslärm und dringen in das Bewusstsein der Vorbeieilenden. Die Künstler möchten auf diese Art keine vermeintliche Idylle akustisch herbeizaubern, vielmehr laufen sie Gefahr, durch Aneignung der Geräusche des Waldes (zu dem Unbefugte keinen Zutritt haben) und der Wiedergabe der geraubten Töne im säkularen Stadtraum als Eindringlinge in ein heiliges Areal entlarvt zu werden.

Auf ähnlich vielschichtige Art und Weise werden die Besucher auch im Inneren des Museums von den dort gezeigten Exponaten sinnlich angesprochen und geistig herausgefordert. Im Zentrum steht Amar Kanwars dreiteilige Installation »The Torn First Pages«, die einen Diskurs entfaltet zwischen den Kunsttechniken der Mehrfachprojektion und sogenanntem »Found Footage« (gefundenes Material) sowie den Disziplinen Reportage und Ethnografie über die Demokratiebewegung in Burma. Kabir Mohanty hat einen meditativen Kinosaal gestaltet, in dem zwei etwa einstündige Filme laufen. Die visuell und akustisch am äußersten Rand unserer Wahrnehmung angesiedelten Film- und Toncollagen verlangen vom Zuschauer eine kontemplative Aufmerksamkeit entgegen unserem gewohnt flüchtigen Blick. Auch die Filmprojektion von Shumona Goel und Shai Heredia ist experimenteller Natur. Ihr gezeigtes Projekt »I am micro« ist die noch unvollendete Fassung eines Essays in »veralteter Form« als 16 mm Schwarz-Weiß-Film »über das Filmemachen, das Medium Film und die Leidenschaft, in Indien unabhängige Filme zu drehen«, so die Künstlerin.

»Der Film«, schreibt Erika Baslom im Katalog, »erfüllt in der zeitgenössischen Kunst nicht selten die Funktion eines Massenspektakels. Kunststars wie Doug Aitken oder Matthew Barney arbeiten mit Budgets und Produktionsteams, die mit dem Independentfilm mithalten können. Ihre visuell faszinierenden Installationen verwischen die Grenze zwischen Medienkunst und Medienkultur.« Andere Künstler würden laut Baslom behutsamer und langsamer mit dem Film umgehen, ohne in die falsche Euphorie der spätkapitalistischen Bildindustrie zu verfallen. Die Teilnehmer der Ausstellung Being Singular Plural »zählen eindeutig zur zweiten Kategorie«, so Baslom. »Sie verwenden Film und Video, um komplexe politische und ästhetische Statements zu formulieren, und konstruieren im Museums- oder Galerieraum alternative Narrative und Signifikationssysteme zu jenen des globalen Medienmarktes.« Und auch, so könnte man hinzufügen, zu Indiens gigantischer Filmindustrie Bollywood.

Bis 10. Oktober, Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13/15, Mitte, tägl. 10 – 20 Uhr, montags Eintritt frei, Katalog: 45 Euro, www.deutsche-guggenheim.de

Im Kino arsenal läuft bis zum 29. September begleitend zur Ausstellung das Filmprogramm »Moving Politics – Cinemas from India«, www.arsenal-berlin.de

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