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Ein stolzes Land

Uruguay feiert bereits jetzt sein Nationalteam

  • Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Ausgerechnet Uruguay soll die Ehre Lateinamerikas retten: Der unerwartete WM-Erfolg der uruguayischen Nationalelf hat dem Selbstvertrauen einer lange an sich selbst zweifelnden Nation einen kräftigen Schub gegeben. Schlagzeilen wie »Uruguay muss die Großen nicht fürchten« beziehen sich zwar vordergründig nur auf die sportlichen Siege des kleinen südamerikanischen Landes, meinen aber indirekt auch das Selbstverständnis eines ganzen Volkes.

Nach dem Sieg gegen Ghana und dem Einzug ins Halbfinale entlud sich die Spannung in einem riesigen Freudenfest, das alle sozialen Schichten ergriff. »Kommt nach Hause, wann immer ihr wollt, es ist schon alles erreicht«, beschrieb eine Zeitung den Stolz. Die Nationalelf will aber noch gar nicht nach Hause, sondern heute im Halbfinale die Niederlande besiegen. Nur zum Vergleich: Uruguay hat 3,5 Millionen Einwohner und damit in etwa so viele Bürger wie Berlin.

Wie groß der Einfluss des Fußballs auf das allgemeine Lebensgefühl in dem zwischen den Riesennachbarn Brasilien und Argentinien eingeklemmten Land sind, zeigt auch eine Überschrift in der Zeitung »República« vom Sonntag: »Noch ein Tor für Uruguay: in nur 125 Tagen 2102 neue Arbeitsplätze, 26 Unternehmensgründungen und ausländische Investitionen im Wert von 370 Millionen Dollar«. Die Zahlen wären in größeren Ländern nicht der Rede wert, die sportlichen Triumphe hingegen sehr.

Seit 125 Tagen ist der neue Präsident José Mujica im Amt. Der frühere Guerillero regiert das Land mit einer Pragmatik, aber auch mit einem Ziel: Die sozialen Unterschiede zu verringern. Damit setzt er eine Politik des politischen Wandels und der Modernisierung fort, die 2005 mit der ersten linksgerichteten Regierung in der Geschichte des Landes begonnen hatte. Erstmals nach Jahrzehnten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergangs, der in die bitteren Jahre der Militärdiktatur (1973-1985) mündete, schöpfen die Uruguayer wieder Hoffnung auf eine Wiederkehr des wirtschaftlich »goldenen Zeitalters«, das bis 1950 anhielt, dem Jahr, in das auch der letzte WM-Titel fiel, der zweite nach 1930.

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