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Deutsches Sparpaket trifft auch Aids-Kranke

Stiftung kritisiert höhere Zuzahlungen bei Arzneien und Kürzungen in Arbeitsmarktpolitik

Die Deutsche Aids-Stiftung befürchtet eine weitere Verschlechterung der Situation von HIV-infizierten und aidskranken Menschen durch das geplante Sparpaket der Bundesregierung.

Düsseldorf (epd/ND). Wie alle chronisch Kranken seien HIV-infizierten und aidskranken Menschen von Maßnahmen wie höheren Zuzahlungen für Medikamente betroffen, sagte Geschäftsführer Ulrich Heide bei der Vorstellung des Jahresberichts 2009 der Aids-Stiftung am Montag in Düsseldorf. Darüber hinaus seien Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte für nur noch eingeschränkt arbeitsfähige Menschen durch Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik bedroht.

Menschen mit HIV oder Aids seien bereits Opfer der Gesundheits- und Sozialreformen der vergangenen Jahre geworden, sagte Heide weiter. Durch den Wegfall von Einmalhilfen in der Sozialhilfe müsse etwa ein neues Bett vom Regelsatz finanziert werden. Für Menschen, die dauerhaft über viele Jahre von 350 Euro im Monat leben müssten, sei aber das Ansparen auf eine Matratze oder auf eine Waschmaschine faktisch nicht möglich. Das spiegele sich auch in den Anträgen Betroffener an die Aids-Stiftung auf Unterstützung wider, berichtete der Geschäftsführer. Die Hälfte der mehr als 2500 Antragsteller im vergangenen Jahr habe um Hilfen bei Wohnungsausstattung oder Miete gebeten. Weitere zehn Prozent brauchten finanzielle Unterstützung für die medizinische Versorgung mit Hilfsmitteln wie Brillen oder Zahnersatz. Das zeige auch, dass die Härtefallregelungen bei den Krankenkassen nicht funktionierten.

Zufrieden zeigte sich die Aids-Stiftung mit den »relativ stabilen« Spendeneinnahmen von knapp 2,6 Millionen Euro, auch wenn dies fast 200 000 Euro weniger waren als im Vorjahr. Dazu kamen nach Angaben von Stiftungsvorstand Christoph Uleer 875 000 Euro an Erträgen aus dem Stiftungskapital. Davon flossen mehr als 1,5 Millionen Euro in Einzel- und Gruppenhilfen sowie in internationale Projekte vor allem im von Aids stark betroffenen südlichen Afrika.

Wie der Leiter der HIV-Ambulanz am Universitätsklinikum Bonn, Jürgen Rockstroh, erläuterte, haben die Fortschritte in der medizinischen Therapie zu einer deutlich höheren Lebenserwartung von HIV-Infizierten geführt. Die älter werdenden Betroffenen litten nun aber verstärkt unter Begleiterkrankungen und den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Medikamente. Für sie seien betreute Wohnprojekte besonders wichtig. Nach Rockstrohs Einschätzung wird 2015 bereits die Hälfte aller HIV- und Aids-Patienten über 50 Jahre alt sein.

Nach Angaben des Robert-Koch Instituts lebten Ende 2009 in Deutschland 67 000 HIV-infizierte oder aidskranke Menschen.

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