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Machtkampf zur falschen Zeit

Joachim Löw und sein Team bemühen sich nach Lahms Vorstoß um Konzentration auf das heutige Duell mit Spanien

  • Von Thomas Niklaus und
  • Lesedauer: 4 Min.

Jürgen Zelustek, SID

Die Störfeuer ignorieren, ein Feuerwerk entfachen, ins Endspiel einziehen: Die deutsche Nationalmannschaft will ungeachtet der von Philipp Lahm losgetretenen Diskussion um die Zukunft von Michael Ballack sportlich weiter für Schlagzeilen sorgen und auf ihrem Weg zum vierten Titel auch den vorletzten Schritt erfolgreich bewältigen. Der Machtkampf um die Kapitänsbinde und die Chefrolle in der DFB-Auswahl in der Zeit nach Südafrika soll deshalb im heutigen WM-Halbfinale (20.30 Uhr) in Durban gegen Fußball-Europameister Spanien kein Thema sein.

Auch wenn Teammanager Oliver Bierhoff die Ankündigung von Lahm, auch nach der WM Anspruch auf die Kapitänsrolle zu erheben, »vom Zeitpunkt her nicht so glücklich« und als »unnötig« einstufte, war er gleichzeitig überzeugt, »dass dies die Mannschaft nicht berührt«. Es gebe »keine Missstimmung«. Deshalb sieht auch Bundestrainer Joachim Löw »berechtigte Chancen, das Spiel zu gewinnen. Wir sind unter den ersten Vier bei diesem Turnier, aber wir wollen mehr«, unterstrich er.

Allerdings muss Löw, der bemüht war, die Konzentration auf das Sportliche zu lenken, bei der Neuauflage des EM-Finales von 2008 (0:1) auf den gelbgesperrten Senkrechtstarter Thomas Müller verzichten. »Das ist natürlich ein Handicap. Thomas hat für die Mannschaft Großes geleistet«, meinte Bierhoff zum Ausfall des vierfachen Torschützen. »Es ist nicht leicht, etwas zu ändern, wenn man eine Formation gefunden hat, die sich blind versteht.«

Löw hat aber »volles Vertrauen« in den Ersatz. Wer dies am Mittwoch sein wird, ließ der DFB-Chefcoach aber noch offen. Er nannte Piotr Trochowski, Toni Kroos und Cacau als Alternativen. Die besten Chancen dürfte der Hamburger Trochowski haben, der bei der WM bereits dreimal für Müller eingewechselt worden war. Im Gegensatz zu Kroos und Cacau spielt der 26-Jährige zudem auch beim HSV auf der rechten Seite.

Abgesehen von Müller stehen Löw alle Akteure zur Verfügung. Die leicht angeschlagenen Sami Khedira (Muskelverhärtung im Oberschenkel) und Arne Friedrich (Prellung am Oberschenkel) haben ebenso rechtzeitig ihre Blessuren überwunden wie Stürmer Cacau. Der Stuttgarter hatte zuletzt im Achtel- und Viertelfinale wegen einer Bauchmuskelzerrung gefehlt.

Unabhängig von der Aufstellung ist für Bierhoff ohnehin die Einstellung entscheidend: »Wir müssen aufpassen, dass wir Spanien nicht zu sehr respektieren, weil wir noch das Finale von 2008 im Kopf haben und weil Spanien seit zwei, drei Jahren den Weltfußball beherrscht.« Allerdings habe die unbekümmerte deutsche Mannschaft neben ihrer Leichtigkeit auch viel Selbstvertrauen. Sie hat gezeigt, »dass sie am Gegner wachsen kann. Wir haben die Fähigkeit, uns gut auf den Gegner einzustellen und die Schwächen auszunutzen.«

Allerdings sieht Löw, der wieder seinen viel diskutierten blauen »Glückspullover« tragen wird, im Gegensatz zu Achtelfinalgegner England oder zuletzt Argentinien beim Europameister kaum Schwächen. »Die haben nicht einen Messi, sondern mehrere Messis«, betonte der Bundestrainer. Er forderte deshalb die gesamte Mannschaft auf, »dass wir Druck machen und sie zu Fehlern zwingen müssen«. Dabei soll das Augenmerk nicht nur auf den mit fünf Treffern bisher besten WM-Torjäger David Villa liegen. »Darauf sollten wir uns nicht zu sehr verlassen. Die Spanier haben neben Villa noch Xavi, Iniesta, Alonso oder Torres. Alle können entscheidende Akzente setzen«, warnte Bierhoff.

Dennoch ist auch Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger überzeugt, dass die DFB-Auswahl in der Lage ist, »ein großes Kaliber auszuschalten. Wir haben gezeigt, dass wir auch Mannschaften schlagen können, die auf dem Papier besser waren«, sagte er bestimmt.

Mit großem Respekt blickt auch der Gegner dem Halbfinale entgegen. »Deutschland ist das beste Team der WM. Wer 4:0 gegen England und 4:1 gegen Argentinien gewinnt, hat eine große Qualität. Aber wir sind bestimmt nicht nach Südafrika gekommen, um Vierter zu werden«, sagte Spaniens Kapitän und Torhüter Iker Casillas. »Das ist das wichtigste Spiel in unserer Geschichte. Es hat eine noch höhere Bedeutung als das EM-Endspiel vor zwei Jahren.«

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