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Seit den 1970er Jahren ist die gewerkschaftslinke Gruppe GoG bei Opel in Bochum aktiv

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GoG-Mitbegründer Wolfgang Schaumberg war am Mittwoch in Berlin, um über die Geschichte der Gruppe zu sprechen. Die drei Buchstaben stehen heute für »Gegenwehr ohne Grenzen«. Gegründet hatte man sich dagegen in den bewegten 70er Jahren als Gewerkschaftliche Oppositions-Gruppe.

»In 10 Jahren können wir vielleicht die Machtfrage bei Opel stellen«, hat ein selbstbewusster Gewerkschafter einmal gesagt. Das war Anfang der 1970er Jahre. Nicht nur an den Universitäten, auch in den Betrieben wuchs in dieser Zeit die Unruhe: Erstmals gab es auch in der Bundesrepublik nicht vom DGB kontrollierte, sogenannte wilde Streiks.

Unzufriedene Arbeiter gründeten gemeinsam mit Studierenden, die die Arbeiterklasse entdeckt hatten, bei Opel-Bochum die Gewerkschaftliche Oppositions-Gruppe GoG. Anders als viele Neugründungen jener Jahre gibt es die Gruppe noch immer. Nach Auseinandersetzungen mit der DGB-Führung nennt sie sich nun jedoch Gegenwehr ohne Grenzen. »Das war das einzige Zugeständnis, das wir gemacht haben, als wir nach mehrjährigen Gewerkschaftsausschlüssen wieder in den DGB aufgenommen wurden«, sagt Wolfgang Schaumberg. Am Mittwochabend sprach der GoG-Gründer und langjährige Opel-Betriebsrat in Berlin über die Geschichte der Gruppe und über die zahlreichen Konflikte, die es in den letzten 38 Jahren gegeben hat – nicht nur mit dem DGB.

Anfang der 80er Jahre etwa kam die große Zäsur bei der GoG. Ein Teil der Akademiker verließ die Fabrik, beendete das Studium oder widmete sich anderen Tätigkeiten. Gleichzeitig verschlechterten sich mit der beginnenden Massenarbeitslosigkeit die Kampfbedingungen. Statt der Abschaffung des Kapitalismus stand nun der Erhalt der Arbeitsplätze im Mittelpunkt.

Doch die GoG-Aktivisten stellten sich schnell auf die neuen Herausforderungen ein. Sie versuchten, als Antwort auf die Globalisierung des Kapitals eine Bewegung der Lohnabhängigen zu organisieren. Deshalb reisten viele GoG-Aktivisten zu Opel-Werken in anderen europäischen Ländern und sogar in die USA. »Im Nachhinein muss ich selbstkritisch einschätzen, dass wir zu viel mit Gewerkschaftsfunktionären und zu wenig mit der Basis Kontakt hielten«, meint Schaumberg heute selbstkritisch.

Die Zahl der Betriebsmandate der GoG ist in den letzten Jahren geschrumpft. Seit den letzten Betriebsratswahlen ist sie erstmals gar nicht in dem Gremium vertreten. Dabei hat sich an der Stimmenzahl gegenüber der vorherigen Wahl kaum etwas verändert. Doch während die GoG damals mit einer weiteren Linken Liste kooperierte, setzte sie in diesem Jahr auf Alleingang. Im Wahlkampf konzentrierte sie sich stark auf Selbstorganisation. »Wir kritisierten dabei auch eine Stellvertreterpolitik, wie sie bei Gewerkschaftslinken zu finden ist«, sagt Schaumberg. »Das müssen wir schon selber tun« lautete stattdessen das Motto.

Nach ihrer Niederlage diskutiert die GoG verstärkt auch neue Aktionsmethoden. »Vor allem junge Menschen können sich nicht mehr ohne Weiteres mit der klassischen Gewerkschaftsarbeit identifizieren, die in wöchentlichen Treffen und dem Verfassen und Verteilen von Flugblättern und Betriebszeitungen besteht, betont Schaumberg. Auch die Identifikation mit dem Betrieb schwindet in Zeiten der flexiblen Beschäftigungsverhältnisse. Das hat auch Einfluss auf die Kampfbereitschaft. Die GoG will auch diese Krise überstehen und probiert neue Aktionsformen. So haben bei der letzten Personalversammlung von Opel GoG-Aktivisten als Bettlertruppe verkleidet Arbeitshetze und Lohnverzicht kritisiert.

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