Werbung

»Wenn erforderlich«

Vor 70 Jahren: Unternehmen »Seelöwe«

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Seit jenen fernen Tagen, da Herzog Wilhelm von der Normandie mit einem Heer in England landete und nach der Schlacht bei Hastings 1066 das angelsächsische Land unterwarf, gelang das keiner anderen Macht mehr. Selbst ein Napoleon, der 1803 bis 1805 Vorbereitungen für eine Landung in England traf, musste seine Pläne aufgeben. Als sich knapp anderthalb Jahrhunderte danach in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs nach dem deutschen Sieg über Frankreich für Hitler und die deutsche militärische Führung im Sommer 1940 die Frage stellte, wie der Krieg gegen England als den seinerzeit allein verbliebenen Kriegsgegner Hitler-Deutschlands weitergeführt werden sollte, nahm der Plan einer deutschen Landung in England erste Konturen an.

Zunächst hoffte Hitler noch auf eine Verständigung mit Großbritannien, um den Rücken freizubekommen für das Hauptziel seiner Kriegsplanungen, den Krieg gegen die Sowjetunion. Erst als er an dem ungebrochenen Kampfeswillen der Engländer unter der Regierung Winston Churchills kaum mehr zweifeln konnte, erließ er am 16. Juli 1940 die »Weisung Nr. 16« über die Vorbereitungen einer Landungsoperation gegen England unter dem Decknamen »Seelöwe«.

Dass Hitler immer noch mit einer versöhnlichen Geste des britischen Kabinetts rechnete, zeigen u. a. solche Formulierungen in der »Weisung«, dass die Landungsoperation »wenn nötig, durchzuführen« und das »englische Mutterland ... wenn es erforderlich werden sollte, in vollem Umfang zu besetzen« seien (kursiv H. D.). Als Hitler drei Tage später in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 in allgemein gehaltenen Worten Großbritannien erneut ein »Friedensangebot« unterbreitete, ließ es Churchill über seinen Außenminister offiziell zurückweisen. Nun erwogen Hitler und seine Generäle sogar, eventuell noch im Herbst 1940 in einem »Blitzfeldzug« zunächst die Sowjetunion zu besiegen in der Erwartung, auf diese Weise England schneller zur Kapitulation zu zwingen.

Inzwischen aber waren die Vorbereitungen für die Überquerung des Ärmelkanals und die Anlandung auf der englischen Insel angelaufen. Als Termin wurde der 15. September 1940 gesetzt. Starke Heereskräfte wurden an der französischen Kanalküste zusammengezogen und in den Häfen zahlreiche, oft primitive Transportmittel (Prähme, Dampfer, Schlepper u.a.) bereitgestellt, wobei es an geeigneten Landungsschiffen fehlte. Zudem hatte die deutsche Kriegsmarine kurz zuvor beim Überfall auf Norwegen schwere Verluste einstecken müssen. Voraussetzung für das Gelingen des Unternehmens wurde so die Erringung der Luftherrschaft.

Unter dem Code »Adlertag« eröffnete Görings Luftwaffe am 13. August 1940 die Luftschlacht gegen England. Es gelang nicht, die angestrebte Luftüberlegenheit zu gewinnen und England kapitulationsreif zu bomben, so dass der Termin für das Unternehmen »Seelöwe« mehrmals verschoben werden musste. Am 12. Oktober sagte ihn Hitler für das Jahr 1940 ab. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits die Vorbereitungen für den »Fall Barbarossa«, den Überfall auf die Sowjetunion, begonnen.

Einzelne Maßnahmen für das Unternehmen »Seelöwe« wurden »nur noch als politisches und militärisches Druckmittel« aufrechterhalten, aber im Januar 1941 endgültig eingestellt. Letztmalig tauchte »Seelöwe« in Hitlers realitätsferner »Weisung 32« vom 11. Juni 1941 auf: »Zusammenbruch Englands ... auslösen und vollenden«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!