Der Traum vom Anderswerden

Zum 125. Geburtstag des Philosophen Ernst Bloch

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Es gab eine Zeit, es ist noch nicht lange her, da galt Ernst Bloch als der von der Geschichte am gründlichsten widerlegte Denker. Utopie? Aber wir haben jetzt doch Freiheit und eine demokratische Ordnung! Und die liegt nicht im Nirgendwo von Utopia, sondern hat historisch gesiegt.

Wie schlecht ist den Menschen in der Geschichte doch immer das Siegen bekommen. Es macht auf frivole Weise denkfaul und nimmt ihnen ihren größten Reichtum: Den Traum vom Anderswerden, die Erwartung, dass jeder kommende Tag etwas Kostbares ist, weil in ihm plötzlich alle bisherige Menschheitsgeschichte aufzuscheinen vermag: in einem Buch, einem Baum, einem Lied. Darum geht es bei Ernst Bloch.

Was Freiheit und Ordnung ist, darüber haben sich seine Leser in der DDR mit ihm anhand seines schmalen gleichnamigen Reclambändchens beraten können: ein immer neu herzustellendes höchst verletzliches Maßverhältnis. In der DDR war es anders aus dem Gleichgewicht geraten, a...


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