Werbung

Jasminduft beruhigt

Riechforscher entdecken Wirkmechanismus

Bochum (dpa/ND). Der Duft von Jasminblüten kann nach Forscherangaben als Valiumersatz dienen. Der Effekt sei vergleichbar mit potenten Psychopharmaka, berichtete der Zellphysiologe und Geruchsforscher Hans Hatt von der Ruhr-Universität Bochum.

»Statt Schlaftablette oder Stimmungsaufheller könnte auch eine Nase Jasminduft aus Gardenia jasminoides helfen«, sagte Hatt. Zusammen mit Forschern der Düsseldorfer Heinrich Heine Universität hat das Bochumer Team entdeckt, dass die Duftstoffe den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben und genauso stark wirken können wie die häufig verschriebenen Barbiturate oder Propofol – ein Arzneistoff aus der Gruppe der Hypnotika. Die Forscher präsentieren ihre Arbeit im »Journal of Biological Chemistry« (Online) und bekamen für ihre Entdeckung bereits ein Patent erteilt.

Beruhigungs-, Schlaf- und Entspannungsmittel sind nach Aussage der Forscher die am häufigsten verordneten Psychopharmaka. Der Unterschied zwischen beruhigender und hypnotischer Wirkung hänge allein von der Dosierung ab. Rund 20 Prozent aller Deutschen nehmen im Lauf eines Jahres ein solches Medikament ein oder werden zwecks Narkose damit behandelt. Allerdings können etliche der Präparate leicht süchtig machen. Zudem können etwa die Benzodiazepine schwere Nebenwirkungen hervorrufen, z.B. Depressionen, Blutdruckabfall und Koordinationsstörungen, während allenfalls intensiver Jasminduft empfindlichen Menschen Kopfschmerzen bereiten dürfte.

Verhaltenstests mit Mäusen hätten die Qualitäten der Düfte als Beruhigungsmittel bestätigt, sagte Hatt. Gespritzt oder inhaliert, entfalteten die Duftstoffe demnach eine beruhigende Wirkung: In einem Plexiglaskäfig mit hoher Duftkonzentration stellten die Mäuse jede Aktivität ein.

Ein Jasminsträußchen im Schlafzimmer könne schon mal nicht schaden, empfahl Hatt. Die Konzentration in der Luft sei dann aber auch deutlich niedriger als im Mäuseexperiment. »Man kann sich Anwendungen in der angstlösenden, beruhigenden, erregungs- und aggressionsdämpfenden oder schlafanstoßenden Therapie vorstellen.« Durch Veränderungen der chemischen Struktur der Duftmoleküle wollen die Forscher nun noch versuchen, die Wirkung zu verstärken.

Der Bochumer Riechforscher hat seine Ergebnisse unter anderem in dem 2008 erschienenen Buch »Das Maiglöckchen-Phänomen – Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt« zusammengestellt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln