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Misere

Zum Beispiel in Berlin ist die Misere der Schulen so unübersehbar, dass sie sogar der lokalen Presse aufgefallen ist. Da gibt es Schulen, in denen dreißig Prozent der Drittklässler nicht geeignet sind für die vierte Klasse. Von den anderen schaffen es viele nur, weil die vierte Klasse auch nicht mehr das ist, was sie mal war. Die Kinder, so eine Studie, beherrschten nur eine rudimentäre Kiez-Sprache und verfügten nicht über einfachste Kulturtechniken wie etwa die Benutzung einer Schere. Die Studie stellt weiter fest, dass ein kausaler Zusammenhang dazu besteht, ob in der Familie Wert auf Bildung gelegt wird.

Daraus ließe sich der voreilige Schluss ziehen, man könnte die Verantwortung einfach auf die Eltern abladen. Doch wenn das Phänomen so gehäuft auftritt, ist es als soziale Ursache zu qualifizieren.

Die Studie belegt auch eine statistische und kausale Korrelation zu Religion und Herkunft, so dass man sehr genau interpretieren muss, um keine Vorurteile zu schüren; insgesamt kann man nämlich sagen: Im Durchschnitt ergibt sich keine evidente Abhängigkeit von Religion und Herkunft, einige Herkünftler schneiden sogar besser ab.

Nachdem man diese schöne Erkenntnis formuliert hat, lässt sich die Schattenseite leichter ertragen, dass demnach auch welche schwächer sein müssen, und das betrifft leider ausgerechnet die Partnerreligion, in die man die größten Hoffnungen setzt hinsichtlich der Veränderung der Gesellschaft. Deshalb ist zu hinterfragen, ob das tradierte Schulkonzept noch zeitgemäß ist.

Früher galt es als Fortschritt, allen Kindern den Zugang zur Schule zu ermöglichen und damit Teilhabe an der Kultur. Damals wusste man noch nichts von der Vielfältigkeit der Kulturen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man nicht allen unsere Partialsprache aufdrängen kann. Es wäre daher angebracht, die als rudimentär bezeichnete Kiezsprache als verbindlich im Unterricht zu lehren, damit die Herangewachsenen später einmal auch den Antrag in dieser Sprache ausfüllen können.

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