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Neubau statt WM-Werbung

Trotz-Signal an die Politik: Solarworld AG errichtet weitere Fabrik

  • Von Hendrik Lasch, Freiberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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In der Solarbranche wird der Preiskampf immer härter, zugleich stutzt die deutsche Politik die Förderung. Die Solarworld AG aber baut eine neue Fabrik in Sachsen und will sogar die Konkurrenz in China unterbieten.

Während der Fußball-WM in Südafrika tauchten auf der Werbebande häufig chinesische Schriftzeichen auf. Ein Sonnenstromunternehmen aus Fernost warb auf diese Weise um Kunden. »Wir haben mit 85 Millionen Euro etwa den gleichen Betrag in die Hand genommen«, sagt Frank Asbeck. Die von ihm begründete Solarworld AG steckt das Geld indes nicht ins Marketing, sondern in eine neue Fabrik. Gestern wurde in Freiberg der Grundstein für eine Produktionsanlage gelegt, in der vollautomatisch Solarmodule hergestellt werden. Es ist schon die dritte in der sächsischen Stadt.

Mit der Feier im Freiberger Gewerbegebiet wurde freilich nicht nur der Bau einer Fabrik begonnen, sondern auch ein politisches Signal gesetzt. Man wolle »beweisen, dass trotz des enormen Drucks auf die Kosten eine Produktion in Deutschland möglich ist«, sagt Holger Reetz, Chef der Solar Factory GmbH, der Modul-Tochter von Solarworld – in einem Land also, in dem nicht nur höhere Löhne gezahlt werden als bei der Konkurrenz in Fernost, sondern in dem auch gerade die Förderung für Sonnenstrom gestutzt worden ist. Per 1. Juli, so haben es Bundestag und Bundesrat mit schwarz-gelber Mehrheit kürzlich beschlossen, wird die Einspeisevergütung um bis zu 13 Prozent gekürzt, im Dezember erfolgt ein weiterer Einschnitt von drei Prozent.

Begründet wird die Kappung damit, dass Solaranlagen zunehmend preiswerter und wirksamer werden, weshalb die angeblich zu hohen Zuschüsse zurückgefahren werden könnten. Befürchtet werden aber nicht zuletzt wegen der Modalitäten der jetzigen Regelung gravierende Folgen für die Branche. Sie hätte sich eine Absenkung in wirtschaftlich verträglicheren Schritten gewünscht »und nicht so Holterdipolter«, sagt die Freiberger CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann. »Es wird eine Flurbereinigung geben«, befürchtet Bernd-Erwin Schramm, Oberbürgermeister von Freiberg, in dessen Stadt 5000 Arbeitsplätze an der Sonnenenergie hängen. Der OB hofft freilich, dass ihm Nachrichten wie aus dem sachsen-anhaltischen Thalheim erspart bleiben, wo im sogenannten Solar-Valley ausgerechnet das einstige Vorzeigeunternehmen Q-Cells im harten Preiskampf einknickte und Stellen abbaute. Die Freiberger Hersteller wie Siltronic und eben Solarworld seien, sagt Schramm, »nicht aufgeblasen und auch keine verlängerten Werkbänke«, weshalb sie den Widrigkeiten trotzen würden. Die Stadt hat daran großes Interesse: Nicht zuletzt deren Zahlungen verdankt sie den bundesweit 11. Platz beim Aufkommen an Gewerbesteuern.

Solarworld hat seit der vor zehn Jahren erfolgten Übernahme eines Unternehmens, das in Freiberg schon seit 1994 Solarwafer prodizierte, im Ort rund 700 Millionen Euro investiert und beschäftigt heute 1700 Menschen, davon 1200 Stammkräfte, in der Bergstadt. Die Fabrikhallen des Unternehmens, das mit dem Slogan »Sun at Work« (Die Sonne bei der Arbeit) wirbt, dominieren den östlichen Stadtrand. In den verschiedenen Hallen werden Wafer aus Siliziumkristallen produziert, daraus Solarzellen gefertigt und schließlich die fertigen Module, die auf Dächern oder in Solarparks installiert werden.

Möglich ist die permanente Ausweitung nur, weil die Technik ständig perfektioniert wird, sagt Solar-Factory-Chef Reetz. 2003 wurden in Freiberg in einer Solarworld-Fabrik erstmals in Deutschland die Module automatisch produziert; 2006 folgte die zweite Fabrik, nun schon mit vollautomatischer Herstellung. In der jetzt im Bau befindlichen dritte Fabrik, in der ab nächstem Jahr 200 Mitarbeiter dafür sorgen sollen, dass alle 15 Sekunden ein Modul vom Band läuft, treibt man die Entwicklung noch weiter – in Höhen, auf denen man »keine Angst vor den Chinesen haben muss«, wie Asbeck erklärt. Deren Kosten werde man dank der neuen Fabrik »unterschneiden«, fügt er hinzu – was den Verzicht auf wachsende Bekanntheit unter den Zuschauern der Fußball-WM vermutlich rechtfertigt.

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