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Filmnächte an der Elbe

In Dresden lockt Deutschlands größtes Sommerkino seit 1989 Besucher an. Das Ganze begann ziemlich subversiv

  • Von Jörg Schurig, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die barocke Dresdner Altstadt ist eine filmreife Kulisse. Jedes Jahr strömen mehr als 150 000 Menschen zu Kino und Konzerten ans Elbufer. Hinter der Leinwand thronen Bauwerke wie Frauenkirche und Kathedrale.

Dresden. B. B. King war da, auch Lou Reed, Bob Dylan, R.E.M. oder diverse Größen aus der deutschen Filmszene. Jedes Jahr im Sommer offerieren die Filmnächte am Elbufer in Dresden großes Kino. Bauwerke wie die Frauenkirche und die Kathedrale bilden die Kulisse für Filmklassiker, aktuelle Streifen und Konzerte. Manche Musiker wurden zu Wiederholungstätern. Schlagerbarde Roland Kaiser lockte jedes Mal 12 000 Fans zum Königsufer in der Innenstadt, bei den Ärzten waren es gar 15 000. Vom kommenden Donnerstag an feiern die Filmnächte ihren 20. Geburtstag. Aus der Szene sind sie längst nicht mehr wegzudenken.

Illegale Aufführungen

Der Vorläufer des Spektakels reicht bis ins Schicksalsjahr 89 zurück und war für DDR-Verhältnisse ziemlich subversiv. Jörg Polenz, inzwischen 46 Jahre alt, organisierte damals im Frühjahr mit Gleichgesinnten ein Filmfest. Dabei kamen Streifen, die von der Zensur abgelehnt wurden, nachts illegal zur Aufführung.

»Das war wohl das erste nichtstaatliche Filmfestival in der DDR«, erinnert sich der bekennende Cineast. Natürlich bekamen die Oberen Wind von der Sache. Polenz wurde entlassen. Als die friedliche Revolution im Osten Deutschlands ausbrach, war er wieder zur Stelle. Seine »Filminitiative« entstand als erster Verein in der Dresdner Wendezeit. Wie Missionare waren Polenz und Freunde in Sachsen unterwegs, die Technik stand auf einem Lkw, auch die Landbevölkerung in den entlegenen Winkeln des Freistaates kam so in den Genuss von Filmkunst.

Im Sommer 1990 folgte der Probelauf für die Inszenierungen an der Elbe. Im Alaunpark waren Filme unter freiem Himmel zu sehen, im Jahr darauf wurde das Königsufer annektiert – ohne Genehmigung. »Das war damals ein rechtsfreier Raum, wir haben erstmal losgemacht.« Der Zuspruch gab den Machern recht. 6000 Leute kamen zur Premiere, 1995 waren es zehn Mal so viele, 2008 gab es das Maximum mit 170 000. Auf öffentliche Förderung bauen die Filmnächte schon lange nicht mehr. Sponsoren, Eintrittsgelder und Gastronomie sorgen dafür, dass die Kinokasse klingelt. Inzwischen liegt der Etat bei 2,5 Millionen Euro.

Problem Hochwasser

Polenz betont, dass nicht Geld das treibende Motiv sei, sondern der Wunsch, Neues auszuprobieren. 2010 wird bei einer Filmaufführung der »Freischütz«-Oper zum Beispiel die Leinwand auf beiden Seiten »bespielt« – dann kann auch Publikum vom anderen Elbufer aus zuschauen. Irgendwann will Polenz den Fluss selbst auch direkt mit einbinden.

Für die kommenden Wochen hofft Polenz auf gutes Wetter. Aber die Dresdner Filmnächte haben auch schon Dauerregen, Kälte und Gewitter erlebt. Bei der Jahrhundertflut 2002 stand die Leinwand im Wasser. Bezeichnenderweise lief am Vorabend der Katastrophe Robert Redfords Meisterwerk »In der Mitte entspringt ein Fluss«. Schon am Tag zuvor waren Besucher mit dem Schlauchboot ins Kino gefahren. Auch später schwappte die Elbe noch einige Male über. Die knapp 450 Quadratmeter große Leinwand wird dann vorsorglich in Sicherheit gebracht. Als Alternative gibt es inzwischen eine aufblasbare Wand.

Da sich auch viele Touristen zum nächtlichen Kino einfinden, sind die Filmnächte längst überregional bekannt. Wegen der langen Tageshelle beginnen die Aufführungen im Juli erst 21.30 Uhr. Den Anfang macht diesmal Tarantinos Thriller »Pulp Fiction«.

Programm-Informationen unter: www.filmnaechte.de

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