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Olympia im Visier

Youngster Tobias Wächter überzeugt bei den deutschen Bahnradmeisterschaften in Cottbus

  • Von Manfred Hönel, Cottbus
  • Lesedauer: 3 Min.

Da staunten die Experten. Tobias Wächter vom PSV Schwerin stand bei der Deutschen Bahnradmeisterschaft in Cottbus gleich dreimal auf der obersten Stufe des Siegerpodestes. Wächter, gerade mal 21 Jahre jung, gewann nicht nur Teamsprint und Einzelsprint, sondern jagte auch im Keirin allen davon – darunter so bekannten Fahrern wie dem Lokalmatador Maximilian Levy oder Carsten Bergemann aus Dresden.

Insgesamt sicherten sich die Schweriner gleich alle vier Sprinttitel. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei der grandiose Aufstieg von Youngster Tobias Wächter. Als Geburtsort steht in seinem Ausweis: Düsseldorf. Wie kommt ein Düsseldorfer nach Schwerin? Läuft es sonst nicht üblicherweise andersherum? »Bei mir ging der Weg von West nach Ost. Ich habe den Schritt bis heute noch nicht eine einzige Minute bereut«, sagt Wächter.

Wächter ist in Büttgen groß geworden. Büttgen liegt in Nordrhein-Westfalen und hat im Sportforum Kaarst eine Radrennbahn. Durch zwei umtriebige Radtrainer, Horst Felisiack und Dieter Hamman, stieg er auf den Sattel. Als Schüler sprintete Wächter zu seinem ersten Meistertitel. Danach rieten ihm seine Trainer: »Wenn du als Radsportler etwas werden willst, musst du in den Osten.« Als Wächter nicht widersprach, kontaktierte Felisiack mit dem Schweriner Trainer Roland Grimm. Der erinnert sich: »Wir haben den Burschen zu einem dreiwöchigem Training eingeladen. Natürlich habe ich sein Talent erkannt, 2004 haben wir ihn im September im PSV aufgenommen.« Wächter sagt: »Meine Eltern haben damals gezögert. Am Ende durfte ich aber fahren. Heute sind sie mächtig stolz.«

In Schwerin angekommen, besuchte Wächter bis Mai diesen Jahres die Eliteschule des Sports, machte dort auch sein Abitur. Dass dies länger dauerte als üblich, hatte mit der Verkürzung der Abiturzeit von dreizehn auf zwölf Jahre zu tun: Wächter wiederholte die zehnte Klasse. Zudem legte er aufgrund des üppigen Trainingsprogramms ein sogenanntes Streckungsjahr ein. So vergingen die Jahre. »Nach sechs Jahren Eliteschule in Schwerin habe ich endlich mein Abi und nun auch drei Meistertitel in der Tasche,« freut sich der Radsprinter.

Jetzt winkt dem Überflieger ein Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Zunächst jedoch sind ein paar Urlaubstage angesagt – wahrscheinlich auf Usedom. Im September ist er für die U23-EM in St. Petersburg nominiert.

An der Newa will Wächter zeigen, was in ihm steckt. »Ich will zu Olympia und werde um einen Startplatz für den Sprint kämpfen. Auch der Teamsprint ist ein Thema. Ich sehe da auf der Position zwei hinter dem Anfahrer wie Robert Förstemann und vor dem Schlussfahrer wie Stefan Nimke die Lücke für mich.« Einfach wird es nicht, den Wunsch zu verwirklichen. Auf Deutschland fällt im Bahnsprint in bei Olympia London 2012 nur ein einziger Startplatz.

Auch Nimke will dort wieder angreifen. Der Teamsprint-Olympiasieger hatte in Cottbus im 1000-Meter-Zeitfahren einen Bahnrekord aufgestellt. Er sagt: »Auf Olympia konzentiere ich mein ganzes Leben, es wären immerhin meine vierten Spiele. Bisher bin ich immer mit einer Medaille nach Hause gekommen. Daran soll sich auch 2012 nichts ändern.«

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