Werbung

»Herr Anständig«

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mit einer lichten Höhe von zwei Metern ist Petr Necas (Foto: dpa) nicht zu übersehen. Aber nicht deshalb hatten die rechtsliberalen tschechischen Bürgerdemokraten (ODS) nur 61 Tage vor den Parlamentswahlen den früheren Minister gegen Expremier Mirek Topolanek ausgetauscht und zum neuen Spitzenkandidaten gemacht. Miese Umfragewerte, diverse Affären und eine drohende Negativ-Kampagne der Sozialdemokraten gegen Topolanek machten den 45-Jährigen zum letzten Hoffnungsträger. »Politik ist eine ernste Sache, kein Showbusiness«, sagte der stets korrekt gescheitelte Brillenträger einmal und nahm lieber den Ruf des gepflegten Langweilers in Kauf. Necas, der in den tschechischen Medien gern als »Herr Anständig« oder »Herr Sauber« firmiert, gilt heute als einer der wenigen ODS-Spitzenleute ohne Skandale oder grobe Sprache. Es reichte Anfang Juni zwar dennoch nicht zum Wahlsieg, aber am Ende konnte er zumindest eine regierungsfähige Mitte-Rechts-Koalition präsentieren.

Necas trat der ODS schon im Gründungsjahr 1991 bei. Ein Jahr später zog der studierte Physiker aus dem ostböhmischen Uherske Hradiste, der seine Doktorarbeit über Plasmaphysik schrieb, zum ersten Mal in das Prager Parlament ein. 1999 wurde er zum stellvertretenden ODS-Vorsitzenden gewählt, um schließlich von 2006 bis 2009 als Arbeits- und Sozialminister Regierungserfahrungen zu sammeln.

Damals entdeckte der Katholik und vierfache Vater für seine Partei, die von ihrem Gründer und Übervater Vaclav Klaus auf die »reine Lehre des Marktes« getrimmt worden war, gleichsam die Sozialpolitik. Elternurlaub für Väter oder die Förderung von Kinderkrippen – mit solchen Maßnahmen blieb Necas den Wählern durchaus im Gedächtnis. Nachdem er sich jetzt für einen strikten Sparkurs ausgesprochen hat, bleibt allerdings abzuwarten, was davon politisch überlebt.

»Wir sind überzeugt, dass dieses Team in der Lage ist, die grundlegenden Schritte zu unternehmen, um das Anwachsen der Schulden zu stoppen, die Herrschaft des Gesetzes zu stärken und Korruption zu bekämpfen«, sagte Necas gestern über sein Kabinett. Er selbst will mit gutem Beispiel vorangehen – und mit Ausnahme von längeren Auslandsreisen oder besonderen Risikosituationen beim Personenschutz durch Leibwächter sparen. Schließlich drohe ihm keine spezifische Gefahr. Deshalb werde er auch nicht in die Dienstvilla nahe der Prager Burg ziehen, sondern mit seiner Familie in der bisherigen Vier-Zimmer-Mietwohnung bleiben und weiter viel mit der Metro und der Straßenbahn fahren.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen