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Pirouettenkönigin

Trainerin Inge Wischnewski gestorben

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Die Eiskunstlaufgemeinde trauert. Trainerin Inge Wischnewski ist am vergangenen Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren verstorben. Gemeinsam mit der Chemnitzerin Jutta Müller (81) gehörte die Berlinerin zu den herausragenden Persönlichkeiten, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Eiskunstlaufen in der DDR aus den Trümmern zu weltweitem Glanz führten.

Inge Wischnewski kam einst aus ihrem Heimatort Weißenfels nach Berlin, ihre erste Trainingstätte war ein alter Kühlraum, zehn mal zwanzig Meter groß. Bei einer Dauertemperatur von minus zehn Grad musste trainiert werden. Inge Kabisch, so ihr Mädchenname, trainierte gemeinsam mit Frauen wie Jutta Müller, damals Seyfert, Carla Listing, Annemarie Klöpsch-Kusche und dem Ehepaar Vera und Horst Kuhrüber. 1951 gehörte Inge Wischnewski zu den Gründungsmitgliedern des Nationalen Olympischen Komitees der DDR.

Als 1950 in Berlin eine ehemalige Fleischhalle als Werner-Seelenbinder-Halle mit einer Kunsteisfläche eröffnet worden war, träumte Inge Kabisch zusammen mit den anderen Eiskunstläufern von einer großen Eislaufkarriere. Immerhin konnte sie zwischen 1952 und 1956 vier mal den DDR-Meistertitel gewinnen. Ihre besondere Stärke waren die Pirouetten. 1956 aber löste der damalige DDR-Sportchef Manfred Ewald das Eiskunstlaufnationalteam auf und schickte alle Mitglieder zum Studium an die DHfK Leipzig. Dort wurde Inge Wischnewski zur Trainerin ausgebildet.

1973 war dann das Jahr, als eine gewisse Christine Errath in Köln mit 16 Jahren zur damals jüngsten Eiskunstlauf-Europameisterin aller Zeiten gekürt wurde. Ein Jahr später erklomm die Berlinerin sogar die höchste Stufe des Siegerpodestes: bei der WM in München. Christine Errath war die Musterschülerin der warmherzigen Inge Wischnewski, die mit Juniorenweltmeisterin Janina Wirth, Tochter des Ex-Fußballnationalspielers Günter Wirth, auch andere Läufer in die Spitzenklasse führte. Bis zu ihrem 70. Lebensjahr arbeitete Inge Wischnewski als Trainerin, zuletzt in Norwegen.

Zum 80. Geburtstag organisierte Christine Errath, die lange beim MDR als Fernsehmoderatorin gearbeitet hat, im Frühjahr eine große Party für Inge Wischnewski im Berliner Friedrichstadtpalast. Sie hat auch ein Buch über ihre langjährige Trainerin geschrieben. Es trägt den feinsinnigen Titel: »Die Pirouettenkönigin«.

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