»Tendenz zum Verdrängen und Verschweigen«

Sexuelle Übergriffe von Lehrern an staatlichen Schulen sind nach wie vor ein Tabuthema / Unzureichende Prävention

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Als Anfang des Jahres die ersten Berichte über den sexuellen Missbrauch von Schülern am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin und der privaten Odenwald-Schule in Hessen öffentlich wurden, schien das Problem sexualisierter Gewalt im Bildungsbereich auf private Einrichtungen beschränkt zu sein. Sexuelle Übergriffe durch Lehrkräfte gibt es allerdings auch an staatlichen Schulen, nur wird darüber seltener öffentlich geredet.

Der Sportlehrer der Neunten ist heute besonders eifrig bei der Sache. Bei den Übungen am Reck sucht er den engen Körperkontakt zu seinen Schülerinnen. Man merkt, vielen der pubertierenden Mädchen ist das unangenehm, auch ein Kollege, der zufällig Zeuge des Vorfalls wird, hat ein mulmiges Gefühl im Bauch. Doch über den Vorfall spricht hernach niemand – die Schülerinnen schweigen und der Kollege weiß nicht, wie er reagieren soll.

Solche Fälle seien nicht selten, betont Detlef Träbert vom Verein »Aktion Humane Schule e.V.« (AHS). Zwar seien die staatlichen Schulen anders als die in der Kritik stehenden privaten Schulinternate einer stärkeren Kontrolle durch Eltern und das soziale Umfeld ausgesetzt, sexueller Missbrauch bzw. Übergriffe gebe es an staatlichen Schulen aber ebenfalls, sagt der AHS-Bundesvorsitzende, der selbst jahrelang im Schuldienst tätig war. Die Berliner Schulpsychologin Anita Schindler bestätigt diese Einschätzung....


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