Der Weg der Sorben

In Bautzen ist eine einmalige Plakatschau mit Bezug auf die slawische Minderheit zu sehen

  • Von Sebastian Hennig, Dresden
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Das Sorbische Museum in Bautzen (Sachsen) bewahrt neben vielen anderen Ausstellungsstücken zur Geschichte und Kultur des kleinen Volkes auch eine Sammlung mit etwa 1700 Plakaten, die in Beziehung zum Sorbentum stehen. Eine Sonderausstellung bietet nun zum ersten Mal eine Auswahl der vergänglichen Druckerzeugnisse aus der Zeit von 1949 bis 1990. Es befinden sich darunter sowohl Arbeiten von hervorragenden Gestaltern als auch historisch bemerkenswerte Zeugnisse von kunstloser politischer Propaganda.

Plakat 1946: »300 Millionen Slawen sind mit uns!« Repro: Jürgen Matschie

Der Farbdruck fällt ins Auge: Auf einem panslawistischen Agitationsplakat von 1946 verkünden zwei Sorbenmädchen, eines in katholischer und eines in evangelischer Tracht, in sorbischer Sprache: »300 Millionen Slawen sind mit uns! Ruhm der Roten Armee!«. Hinter den Fähnchen schwenkenden Jungfern zeichnet sich der hellblaue Umriss eines nordslawischen Staatenbundes einschließlich der Sorben ab.

Domowina ruft die Besten

Der sowjetischen Besatzungsmacht war jedoch mehr an einer volksdemokratischen Neuordnung des Ursprungslandes des Marxismus gelegen als an der Verwirklichung der nationalistischen Träume der slawischen Brudervölker. Und es ist anzunehmen, dass auch die Mehrheit der wendischen Bevölkerung mit dem Ergebnis einverstanden war. Zumal das Land Sachsen zwei Jahre darauf ein Gesetz zur Wahrung der Rechte der Sorben erließ, welches sich in den unbestrittenen Begünstigungen der Volksgruppe während der DDR-Zeit fortsetzte.

In der Aufba...


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