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Sexuelle Gewaltspiele von Kindern

Nun folgen Drohungen gegen Ferienlager-Chef

Berlin (ND). Wer weiß schon, was »Fisting« ist! Einige Jugendliche in einem Ferienlager auf der niederländischen Insel Ameland wussten es wohl. In einem Schlafsaal mit 39 Kindern probierten sie es aus – an jüngeren Kindern, mit Gewalt. Und vor allem: ohne gestört zu werden. Zwischen dem 25. Juni und 8. Juli quälten 14- und 15-jährige Teilnehmer einer Ferienfreizeit des Stadtsportbundes Osnabrück ihre 13- und 14-jährigen Opfer, indem sie – eine johlende Meute – ihnen nachts Colaflaschen, Stiele von Kehrschaufeln und Besen in den After stießen. Das Geschehene kommt zaghaft ans Licht, die Befragungen der Staatsanwaltschaft waren am Donnerstag nicht beendet. Drei Geständnisse gab es da, sechs Kinder hätten sich als Opfer zu erkennen gegeben. Opfer seien wohl auch zu Tätern geworden. Untersuchungen würden von den Eltern abgelehnt, das Ausmaß der Gewalt sei deshalb nicht abzuschätzen, hieß es weiter.

Der Leiter des Ferienlagers bekennt, dass ihm »Fisting«, der von den Jugendlichen selbst gebrauchte Begriff aus der Schwulen- und Sadomaso-Szene fremd war. Doch als er verstand, was geschehen war, sei er zu den Teilnehmern, Eltern und Betreuern gefahren und habe eine Liste mit zehn mutmaßlichen Tätern an die Polizei übergeben. Der Mann verteidigt sich, und er hat guten Grund. Er trug die Verantwortung für die jugendlichen Teilnehmer. Und jetzt hat sich das gesamte Räderwerk der Medien und der Untersuchungsbehörden in Gang gesetzt.

Wenig Rationales ist im Sog der Schlagzeilen zu vernehmen. Etwa die Erklärung von Organisationen wie transfer e.V in Köln und BundesForum Kinder- und Jugendreisen in Berlin, die auf den schwierigen Umgang mit der erwachenden Sexualität von Jugendlichen hinweisen, darauf, dass es professionelle Ausbildung von Jugendleitern braucht. Der Leiter des Jugendcamps besteht darauf, dass in seiner Mannschaft nur Leute mit pädagogischer Erfahrung vertreten waren – Erzieher, Menschen in der Ausbildung zum Erzieher oder Studenten. Doch einer der schwersten Vorwürfe lautet: Das Betreuerteam habe auf konkrete Bitten um Hilfe nicht reagiert.

Die Aufarbeitung auch einer zweifelhaften Halböffentlichkeit hat nun begonnen: Der Leiter des Camps erhält Drohungen. In Mails und Anrufen werde er beschimpft, ihm Prügel angedroht. »Da kommen Drohungen, dass man das, was ich den Kindern angetan haben soll, auch an meiner Frau vornehmen werde.«

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