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Sommertheater Open Air

»Diener zweier Herren« zu sehen in der Klosterruine nahe Alexanderplatz

Es ist eine Schande. Wochenlang hat das Ensemble des Sommertheaters am Alex bei brütender Hitze Goldonis »Diener zweier Herren« einstudiert, und dann das: Strömender Regen am Premierenabend, seitdem Wind und Kälte. Schade, denn der leichtfüßigen, mitunter etwas albernen Inszenierung in der romantischen alten Franziskaner-Klosterruine hätte das südliche Flair der letzten Wochen gut zu Gesicht gestanden.

»Es ist ein so besonderer Abend, dass der Himmel vor Freude weint«, witzelt Intendantin Nelly Eichhorn tapfer, doch ihre Enttäuschung ist unübersehbar. Immerhin hat die Initiatorin, Regisseurin und gute Seele des kleinen Freilufttheaters nun schon im zweiten Sommer ihre ganze Freizeit und Kraft in das Projekt gesteckt, ganz zu schweigen von den Finanzen. Zwar geben diesmal der Förderverein Klosterruine und die Förderband Kulturinitiative ein wenig Rückhalt, doch den Hauptteil der organisatorischen und künstlerischen Arbeit stemmt die idealistische Theatermacherin mit armenisch-französischen Wurzeln selbst. Bis kurz vor Vorstellungsbeginn steht die sympathische Mittvierzigerin an der Kasse, weist Plätze zu, fegt rasch die steinernen Stufen und springt wieder auf, um zwei verspätete Zuschauer durch die Gittertür hereinzulassen.

Nelly Eichhorn ist das, was man mit Fug und Recht als Weltenbürgerin und Vollblut-Kulturfrau bezeichnen kann. Geboren in Tiflis/Georgien, studierte sie Sprachen und Journalistik in Moskau und arbeitete als Theaterkritikerin in Ost-Berlin, zog nach der Wende in Kentucky/ USA ein Marionettentheater für Kinder auf, bevor sie der Liebe wegen in Stuttgart landete und dort das Theater am Olgaeck gründete. Nun ist sie zurück in Berlin und versucht seit letztem Sommer, die grandiose Kulisse der Klostermauern aus dem 13. Jahrhundert als Open Air-Theaterort zu etablieren.

Mit Goldonis Komödie »Diener zweier Herren« hat das Regie-Paar Eichhorn/Oleg Skivko einen echten Sommertheater-Klassiker inszeniert – ein buntes, amüsantes Verwirrspiel im Stil der Commedia dell’arte, vom neunköpfigen Ensemble mit viel Tanz, Gesang und Slapstick-Komik zum besten gegeben. Auf aufwendige Bühnenaufbauten wurde zu Recht verzichtet, stattdessen nutzt die Truppe den weitläufigen Platz und die Steintreppe vor den hoch aufragenden Chorbögen als Bühne und Kulisse zugleich; wer gerade nicht spielt, wartet unter zwei charmant gestreiften Sonnenschirmen im Hintergrund auf seinen Einsatz.

Goldonis Geschichte um Schlitzohr Truffaldino, der sich in Venedig als Diener gleich zwei (vermeintlichen) Herren andient, dreht sich um die als ihr (in Wahrheit toter) Bruder verkleidete Beatrice und deren Liebsten Florindo, die sich gegenseitig in der Lagunenstadt suchen. Dieses immer wieder hochamüsante und komplikationsreiche Lustspiel also haben Eichhorn und ihr Ensemble recht gelungen in Szene gesetzt. Zwar ist der Tenor zum Teil arg volkstheatermäßig, der alberne Gesang am Anfang entbehrlich und sind »zeitgenössische« Einlagen wie das TV-Kochduell zwischen Truffaldino und Wirt Brighella (Nicolai Radke) reine Zeitschinderei, doch die trotz des Wetters durchweg gut aufgelegten, sympathischen Darsteller, allen voran Robert Frank als illoyaler Diener, machen die temperamentvolle, mit viel Stimm- und Körpereinsatz gespielte Inszenierung zu einem leicht verdaulichen Vergnügen. An der Choreografie allerdings läst sich noch feilen. Trotzdem ein lohnender Spaß, zumal, wenn die Temperaturen wieder ansteigen – doch bis Ende August kann man wohl noch den einen oder anderen warmen Abend erwarten.

Bis 29. August, Do-So, 20 Uhr; Theater in der Ruine der Klosterkirche, Klosterstr. 73a, Infos: www.sommertheateramalex.de

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