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Unterwegs

Kino Arsenal feiert Wim Wenders' 65. Geburtstag mit Filmreihe

»Was ist der Unterschied zwischen einem Wim-Wenders-Film und einem Wim-Wenders-Foto? Im Film bewegen sich die Scheibenwischer.« So lautet ein böser Witz über den Filmregisseur, Fotografen, Autor und Musikliebhaber Wim Wenders. Und da in jeder Gehässigkeit auch Wahrheit steckt, passen das Motto der Wenders-Retrospektive, die das Kino Arsenal anlässlich seines 65. Geburtstags zeigt, und der Witz ja irgendwie zusammen. Die Reihe heißt »On the Road« (Auf der Straße) und präsentiert Werke des Künstlers, in denen die Protagonisten häufig unterwegs sind.

Vielleicht gelangte Wenders auch deshalb im Ausland zu großem Ruhm, weil er zur ersten Generation von deutschen Nachkriegsregisseuren gehört, die es bald in die Ferne zog: vor allem in die USA. Dennoch sind bei Wenders die Odysseen seiner Filmhelden nie Selbstzweck, sondern Mittel zum Erkunden des eigenen Selbst.

Zwei Schwarz-weiß-Road-Movies von Wenders sind mittlerweile zu Klassikern avanciert: In »Alice in den Städten« (1974), der in New York beginnt, versucht Rüdiger Vogler als Reporter ein kleines Mädchen zurück zu seiner Oma zu bringen. Die Reise führt dabei auch über Amsterdam und ins Ruhrgebiet. Etliche Auto- oder Bahnfahrten filmt Wenders aus den Fahrzeugen heraus, ohne jedoch das mal innige, mal gespannte Verhältnis seiner Helden zu vernachlässigen.

Mit Hanns Zischler dagegen bildet Vogler in dem ohne festes Drehbuch entstandenen Werk »Im Laufe der Zeit« (1976) ein ungleiches Paar. Ersterer ist ein sanfter Filmvorführer, der in Provinz-Kinos arbeitet, während Zweiterer als Macho mit Vaterkomplex brilliert. Sinnsucher sind sie beide und machen im Film eine glaubhafte Wandlung durch. Zudem bewegen sie sich im Milieu des Kinos, das dem Regisseur stets eine besondere Reflexion wert ist. Sind die Selbstreferenzen in »Im Laufe der Zeit« offensichtlich, arbeiten aber auch fast alle anderen Wenders-Werke mit Ausschnitten aus Filmklassikern oder augenzwinkernden Anspielungen auf das Kino.

So beweisen auch in dem meisterhaften Film Noir »Der amerikanische Freund« (1977) Spielzeuge mit bewegten Bildern Wenders’ Faszination für das Medium Film. Der Krimi nach Patricia Highsmith erzählt von dem Fall eines Familienvaters (eindringlich: Bruno Ganz) und seinem dubiosen amerikanischen Freund Ripley (Dennis Hopper in einer seiner besten Rollen). Die Schauplätze Hamburg, New York und Paris fängt Wenders’ großartiger Kameramann Robby Müller in bunten, gleichwohl kalten Farben ein und beschwört so die unheilvolle Atmosphäre des Films. Vier Nebenrollen besetzte Wenders hier mit weltberühmten Regisseuren.

Einem davon, Nicholas Ray, widmete er in dem stark inszenierten Dokumentarfilm »Nick’s Film – Lightning over Water« eine Hommage, da er die letzten Tage des sterbenden Ray festhält. Wenders, der sich darin auch selbst filmt, hinterfragt im Off-Kommentar die Zulässigkeit seines Projekts.

Seine Liebe zur Musik bewies Wenders in dem Dokumentarfilm-Klassiker »Buena Vista Social Club« (1999) über vier kubanische Musiker oder in der vorgetäuschten Dokumentation über den Blues, »The Soul of a Man« (2003). Auch seine Soundtracks sind sorgfältig gestaltet.

So verdankt sein mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichneter Film »Paris, Texas« (1984) atmosphärisch viel der Gitarrenmusik von Ry Cooder. Zudem gelingt Wenders dort auf sehr anrührende Weise, was in späteren Filmen oft aufgesetzt oder peinlich wirkt: Die Irrfahrt eines Helden zu zeigen, der sich selbst neu finden muss. Und einmal gibt es in dem Film auch eine schöne Regeneinstellung, in der sich die Scheibenwischer bewegen …

Wim-Wenders-Filmreihe, bis 31. August im Arsenal am Potsdamer Platz, www.arsenal-berlin.de, Tel: 26 95 51 00

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