Werbung

Sprücheklopfer beim Üben

Silvia Ottow findet die Durchsagen auf U- und S-Bahnhöfen spannend

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Als ich gestern morgen auf dem U-Bahnhof Weberwiese ausstieg, traute ich meinen Ohren kaum. Eine Frauenstimme flötete: »Sehr geehrte Fahrgäste! Wir wünschen Ihnen einen Guten Morgen!«. Jetzt kommt irgendeine Hiobsbotschaft, dachte ich. Nie wieder fährt eine U-Bahn von hier oder die Türen der Waggons müssen aus technischen Gründen während der Fahrt für vier Wochen offen bleiben. Aber es folgte der unglaubliche Satz: »Der Zugverkehr auf allen Linien ist derzeit planmäßig.« Nach einem Knacken war es still. Ich überlegte, ob ich noch ein bisschen planmäßig hin- und herfahren sollte. Wann hat man das schon...

Vor einigen Tagen wurde auf dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee angesagt: »Wegen mutwilligen Zerstörens der Signalanlagen ist der Zugverkehr unregelmäßig.« Ich fragte mich, ob ich im Chaoswinter der S-Bahn etwas nicht mitgekriegt hatte. Gab es damals schon die Durchsage: »Wegen böswilliger Unterlassung von Wartungsarbeiten durch das Bahnmanagement fährt die S-Bahn seit Wochen unregelmäßig?«

Jedenfalls freue ich mich über die Einstellung der Sprücheklopfer in der Berliner Beförderungsindustrie, auch wenn sie vorläufig noch am Üben sind. Vielleicht heißt es ja schon morgen: »Guten Tag, liebe Fahrgäste, heute bitten wir Sie, vorsichtig zu sein, denn die Treppe ist kaputt und wir können sie nicht reparieren, bevor wir nicht eine saftige Fahrpreiserhöhung durchgesetzt haben.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!