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Güte, Kraft

Jochen Thomas

Seine Kraft konnte poltern, aber sie konnte sich auch ummanteln mit einer unverwechselbaren Güte und Milde. Wenn man diesen Schauspieler sah, in DEFA-Filmen, im Fernsehen, am Berliner Maxim Gorki Theater: Besagte Güte schüttete regelrecht Herzhaftigkeit aus. Jochen Thomas (Foto: privat) war kein Zauberer des Unerhörten, er war verlässliches Bodenpersonal der gespielten Poesie; er verstand es zum Beispiel, aufreizend begriffsstutzig, geradezu im Übermaß

vertrauensselig zu wirken. So, dass die Einfalt, diese Vielgescholtene und Niedergeredete und Verspottete, sich plötzlich verteidigt, wahrhaft aufgehoben und rehabilitiert fand. Sie ist der naive Urgrund des Lebens, und Thomas trug diese Einfalt, trug jenes verkannt und vermeintlich Einfache, das meist in den kompliziertesten Verhältnissen daheim ist, ungestüm oder verhalten-nachdenklich im Gesicht.

In Kassel wurde er 1925 geboren, seit 1952 war der in Leipzig ausgebildete Schauspieler am Gorki-Theater. Der Film suchte damals emsig nach dem plebejischen Typ, suchte Arbeiter in den besten kraftvollen Jahren und fand auch diesen Jochen Thomas. »Leuchtfeuer«, »Der Lotterieschwede«, »Hatifa«, »Drei Mädchen im Endspiel«, »Das Lied der Matrosen«, »Aber Vati!« – er hat ostdeutsche Spiel-Geschichte mitgeschrieben.

Er gab auch das Gaunerhafte mit Witz und Weichheit. Hinter heiterem Geblinzel lauerte kriechende, kriecherische Bedrängungsenergie. 1995 ist Jochen Thomas in Berlin gestorben. An diesem 7. August wäre er 85 geworden. hds

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