Kunst ist gefährlich!

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 1 Min.

Kunst ist Waffe. Wir kennen das. Und der Hammer der Parteilichkeit schlug zu. Aber Kunst ist wirklich Waffe. Geheimwaffe, mit der sich die Seele gegen die Welt rüstet. Sich aufrüstet mit Frieden, mit Panzerungen aus Feingefühl. Kunst macht sensibel, also porös – und zwar, in welcher Form auch immer, für den Gedanken der Freiheit. Diktatorische Mächte besitzen ein genaues Empfinden für dieses Problem. Der Vize-Kulturminister Irans hat es jetzt trefflich formuliert: Stark kritische iranische Filme seien, wenn sie im Ausland gezeigt würden, »schlimmer als Spionage«. Die geschehe jeweils ein einziges Mal, aber Eindrücke aus diesen Filmen bleiben »lange Zeit in den Köpfen der Zuschauer haften«.

Globalisierung ist auch: freier Strom der Bilder, nicht zu stoppen auf Dauer. Weil dieser Strom keine Barriere anerkennt, kennt auch Zensur eines Tages keine Grenzen mehr – und steckt in den eigenen Grenzen fest wie in der Schlinge. Irans Kultur-Obrigkeit beschwört die Kraft des positiven Beispiels. Arbeit ist das an der sattsam bekannten geschichtlichen Wiederholungsschleife: Die Überzeugung vom positiven Beispiel wird dort am lautesten beschworen, wo sie gerade krachend zusammenbricht. Irgendwann stellt die Macht fest: Sie sitzt im falschen Film, das Kino fackelt ihr unterm Thron weg. Und die Kunst der Waffen ist kein Spiel.

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