Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Der Beginn einer Männerfreundschaft

Kolumbiens neuer Präsident Santos und Venezuelas Chávez schlagen ein neues Kapitel auf

  • Von Gerhard Dilger, Caracas
  • Lesedauer: 3 Min.
Kolumbien und Venezuela werden wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen. Damit legten die Nachbarn kurz nach dem Ende der achtjährigen Amtszeit von Álvaro Uribe die Grundlage für eine Verbesserung des bilateralen Verhältnisses.
Chávez (l.) und Santos demonstrieren die von Símon Bolívar (Hintergrund) immer angestrebte lateinamerikanische Einheit.
Chávez (l.) und Santos demonstrieren die von Símon Bolívar (Hintergrund) immer angestrebte lateinamerikanische Einheit.

An einem symbolträchtigen Ort wurde am Dienstag eine neue Etappe im Verhältnis zwischen Kolumbien und Venezuela eingeläutet: Drei Stunden lang tagten die Präsidenten Juan Manuel Santos und Hugo Chávez auf dem Anwesen nahe der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta, wo 1830 Simón Bolívar starb. Der Kämpfer für die Unabhängigkeit von Spanien ist im Jubiläumsjahr 2010 besonders präsent als jemand, der die Idee von der Einheit Südamerikas verkörpert wie kein zweiter.

Aufgeräumt verkündeten die zwei ungleichen Staatschefs, die diplomatischen Beziehungen würden in Kürze wieder aufgenommen – Chávez hatte sie vor drei Wochen ganz abgebrochen, nachdem er von Santos' Vorgänger Álvaro Uribe wieder einmal beschuldigt worden war, 1500 Rebellen der »Revolutionären Streitkräften Kolumbiens« (FARC) und des »Heers zur nationalen Befreiung« (ELN) in Venezuela Unterschlupf zu gewähren.

»Die venezolanische Regierung unterstützt weder die Anwesenheit von Guerilleros oder Terroristen in Venezuela noch erlaubt sie sie«, sagte Chávez. Die Rebellen forderte er erneut auf, die Waffen niederzulegen und nach dem Vorbild ehemaliger Kämpfer in El Salvador, Nicaragua oder Uruguay den Versuch zu unternehmen, durch Wahlen an die Macht zu gelangen. Auch wenn dies im Falle Kolumbiens kein realistisches Szenario ist: Vorletzte Woche hatte FARC-Chef Alfonso Cano in einer Videobotschaft neue Gespräche über ein Ende des bewaffneten Kampfes angeboten. Bei der Suche nach politischen Lösungen müsse es unter anderem um eine Landreform und den militärischen Einfluss der USA gehen, sagte Cano in dem 36-Minuten-Video. Bei seiner Amtseinführung am letzten Samstag hatte Santos verkündet, einerseits wolle er die Aufständischen nach wie vor »unerbittlich« bekämpfen, andererseits sei die Tür zu Friedensgesprächen nicht »zugesperrt«.

Auf jeden Fall solle nun in den bilateralen Beziehungen eine »neue Seite aufgeschlagen« werden, versicherte nun Chávez, der im kolumbianischen Wahlkampf den früheren Verteidigungsminister Santos noch wüst beschimpft hatte. »Ich bin äußerst zufrieden über dieses Treffen mit Präsident Chávez«, sagte Santos, und Chávez erwiderte: »Zählen Sie auf meine Freundschaft.«

In fünf Arbeitsgruppen wollen die Nachbarn über wirtschaftliche, handelspolitische, soziale und Sicherheitsfragen beraten sowie die Pläne zu gemeinsamen Infrastrukturprojekten wieder aufnehmen. Neu sei vor allem der Ansatz, die Sicherheitsfragen »aus einer Optik der Kooperation« anzugehen, lobt der frühere kolumbianische Diplomat Diego Cardona, »das ist ganz anders als zu den Zeiten von George W. Bush«.

Seit Ende 2007, als Álvaro Uribe ein zuvor an Hugo Chávez erteiltes Vermittlungsmandat für Gespräche mit den FARC wieder zurückzog, waren die Beziehungen zwischen Kolumbien und Venezuela gespannt. 2009 verschärfte sich die Krise, nachdem Uribe US-Truppen ermöglicht hatte, künftig sieben kolumbianische Stützpunkte zu nutzen.

Leidtragende waren vor allem jene fünf Millionen Menschen, die entlang der 2200 Kilometer langen Grenze wohnen. Die landwirtschaftlichen Produkte, die Venezuela früher aus Kolumbien bezog, kommen heute aus Brasilien oder Argentinien.

Auf der Plaza Bolívar in Caracas verfolgten Anhänger des venezolanischen Präsident die Begegnung in Santa Marta vor dem Fernseher. »Die USA werden nicht locker lassen«, sagte der Aktivist Carlos Ramírez voraus. »Wir wollen den Frieden, aber wir müssen weiterhin auf das Schlimmste gefasst bleiben.« Doch die Befürchtung, dass ein Waffengang zwischen Kolumbien und Venezuela in greifbare Nähe rückt, hat sich bis auf Weiteres verflüchtigt

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln