Der falsch vermessene Geist

Warum sich die menschliche Intelligenz nicht in abstrakten Denkoperationen erschöpft

  • Von Martin Koch
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Schon seit Jahrzehnten warnen Psychologen davor, die Aussagekraft von Intelligenztests zu überschätzen. Dennoch ist die Meinung, man könne die geistige Befähigung eines Menschen mit einer Zahl auf einer Werteskala erfassen, in unserer Gesellschaft nach wie vor verbreitet.

Erst kürzlich ließ der Berliner CDU-Politiker Peter Trapp vollmundig verlauten: »Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern.« Zur Erklärung fügte er hinzu: »Wir müssen bei Zuwanderern Kriterien festlegen, die unserem Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein.«

Aussagen dieser Art suggerieren nicht nur, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen generell weniger intelligent seien als Einheimische. Sie wollen überdies glauben machen, dass jedermann über ein fixes Quantum an Intelligenz verfügt, welches sich in standardisierten Tests messen und durch den sogenannten Intelligenzquotienten (IQ) numerisch ausdrücken lässt. Nichts davon trifft zu. Vielmehr werden in einem IQ-Test hauptsächlich die sprachlichen, räumlichen und mathematisch-logischen Fähigkeiten der jeweiligen Testperson erfasst. Da dies normalerweise unter Zeitdruck geschieht, sind Menschen, di...


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